"Zahlen sind sehr gut"Lahmt die Rekrutierung? Das Verteidigungsministerium widerspricht

Es herrscht große Skepsis, ob die Bundesregierung mit dem geplanten Modell ausreichend Menschen für die Bundeswehr begeistern kann. Nach vier Monaten fällt die Bilanz des Ministeriums positiv aus. Die Zahl der Rückmeldungen ist hoch, zumindest bei den Männern.
Das Verteidigungsministerium hat eine positive erste Bilanz des neuen Wehrdienstes gezogen. Mehr als 90 Prozent der angeschriebenen jungen Männer hätten auf die Briefe reagiert und den dazugehörigen Fragebogen ausgefüllt, teilte das Ministerium in Berlin mit. "Diese Zahlen sind sehr gut", sagte ein Sprecher. Die Quote schließe auch diejenigen ein, die erst nach einem Erinnerungsschreiben geantwortet hätten. Die Rücklaufquote innerhalb der ersten Frist von vier Wochen habe bei 86 Prozent gelegen. Das Ministerium wies damit anderslautende Berichte der vergangenen Tage zurück.
Der neue Wehrdienst greift seit Anfang des Jahres. Alle 18-Jährigen erhalten ein Schreiben vom Ministerium, um die Bereitschaft zu einem mindestens sechsmonatigen freiwilligen Dienst zu erfassen. Männer müssen auf das Schreiben antworten, Frauen können es. Zudem sollen über die Jahre alle Männer gemustert und auf Eignung geprüft werden. Das Vorhaben ist Kernstück des Ziels der Bundeswehr, bis Mitte der 30er Jahre auf rund 460.000 Soldaten anzuwachsen. Das neue Wehrdienstgesetz sieht aber auch vor, dass eine Pflicht greifen soll, wenn sich ein Mangel an Freiwilligen abzeichne.
Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, von Beginn des Jahres bis Ende April seien mehr als 206.000 Anschreiben versendet worden. Die Rücklaufquote bei den Frauen, die den Fragebogen im Gegensatz zu Männern freiwillig ausfüllen können, liege bei rund drei Prozent. Der Sprecher betonte, er sehe darin keine explizite Verweigerungshaltung. Es sei ihr gutes Recht, nicht zu antworten. Die Erfassung der 18-jährigen Männer diene primär dem Zweck der Wehrerfassung, um ein aktuelles Lagebild zu erhalten.
Männer, die den Fragebogen auch nach einer Erinnerung nicht ausfüllen, müssen mit einem Bußgeld rechnen. Die Nichtbeantwortung stelle eine Ordnungswidrigkeit dar. Geplant sei eine Geldbuße von bis zu 250 Euro, sagte der Sprecher.
Auf Grundlage der positiven Rückläufer seien bereits Musterungen und weitergehende Eignungsprüfungen erfolgt. Es habe auch bereits Einstellungen gegeben. Genaue Zahlen nannte der Sprecher jedoch nicht und verwies darauf, dass man zunächst eine breitere Datenbasis abwarten wolle.