Politik

Wirbel um Helikopterflug Lambrecht wirbt um Verständnis: Zeit mit Sohn

fa8af6f77d843ba7194d740829526393.jpg

Alle Entscheidungen sind Lambrecht zufolge "rechtlich völlig korrekt" erfolgt.

(Foto: REUTERS)

Artikel anhören
Diese Audioversion wurde mit Sprachproben unserer Moderatoren künstlich generiert.
Wir freuen uns über Ihr Feedback zu diesem Angebot.

Dass die Verteidigungsministerin ihren 21-jährigen Sohn im Bundeswehrhubschrauber mitnimmt, bringt ihr heftige Kritik ein. Dafür zeigt sie Verständnis - fordert aber gleiches für sich ein. Ihre Fraktion steht hinter Lambrecht, die Linke verlangt neue Regeln für Regierungsflüge.

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht hat Verständnis für Unmut über den Mitflug ihres erwachsenen Sohnes in einem Bundeswehrhubschrauber geäußert. Es sei zulässig, diese Entscheidung infrage zu stellen, sagte sie im ZDF. "Dafür habe ich auch Verständnis." Ihrerseits bat die Ministerin um Verständnis für ihren Wunsch, trotz des fordernden Amts Zeit mit ihrem Sohn zu verbringen.

Lambrecht betonte, dass sie sich juristisch nichts vorzuwerfen habe. Ihr sei es "nicht nur als Juristin, sondern auch als Ministerin, als Bürgerin" sehr wichtig, dass alle ihre Entscheidungen "rechtlich völlig korrekt" seien. "Das ist hier auch der Fall, die Kostenübernahme ist erfolgt." Die SPD-Politikerin warb für Verständnis für ihr Vorgehen. "Ich bin als Ministerin in einer Situation, dass ich sehr wenig Zeit habe für Privatleben und insbesondere für Kontakt mit meinem Sohn", sagte sie. "Ich bitte um Verständnis dafür, dass es darum geht, eben auch den Kontakt zum Kind weiter aufrecht zu halten." Dieser Wunsch führe vielleicht "manchmal zu einer Entscheidung, die man im Nachhinein so nicht mehr treffen würde".

Es tue ihr für ihren Sohn Leid, sagte Lambrecht mit Blick auf die Folgen des Mitflugs. "Der ist ja keine Person des öffentlichen Lebens", er werde aber jetzt "so in den Fokus" gerückt. Sie wolle nunmehr "Planungen in Zukunft völlig anders" vornehmen. "Die Konsequenz ist natürlich, dass wir noch mehr im Privatleben darauf achten, dass auch solche Vorwürfe dann nicht möglich sind."

Fraktion steht hinter Lambrecht

Lambrecht habe in der Fraktion auf eigenen Wunsch ausführlich Stellung zum Helikopterflug bezogen, wie ntv aus Fraktionskreisen erfuhr. Nach ihrem Redebeitrag habe es demnach Applaus gegeben. Die Fraktion stehe hinter ihr, niemand verlange die Entlassung Lambrechts aus ihrem Amt, hieß es weiter. Bundeskanzler Olaf Scholz ließ über Vizeregierungssprecherin Christiane Hoffmann ausrichten, dass er "mit der Verteidigungsministerin eng und vertrauensvoll zusammenarbeitet". Darüber hinaus wolle er sich nicht äußern, sagte Hoffmann.

Die Linksfraktion forderte neue Regeln für Regierungsflüge. "Wenn alles formal korrekt gelaufen ist, dann stimmt einfach was mit den Regularien nicht", sagte Linken-Fraktionsgeschäftsführer Jan Korte der "Augsburger Allgemeinen". Für ihn bestehe "das Problem doch ganz konkret in der sprichwörtlichen Abgehobenheit der Verteidigungsministerin, die gar nicht auf die Idee zu kommen scheint, dass so eine Aktion bei normalen Leuten bestenfalls Kopfschütteln erzeugt".

Lambrecht war am Mittwoch vor Ostern in Begleitung ihres 21-jährigen Sohnes in einem Regierungshubschrauber von Berlin zu einem Truppenbesuch in Schleswig-Holstein gereist. Im Anschluss daran machte sie mit ihrem Sohn Urlaub auf Sylt. Laut Bundesverteidigungsministerium ist eine solche Mitreise rechtlich zulässig, Lambrecht habe wie vorgeschrieben die Kosten "zu 100 Prozent" übernommen. Die Unionsfraktion nannte den Vorgang "stillos" und kündigte eine eigene rechtliche Prüfung an.

Quelle: ntv.de, chf/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen