Politik

"Free Moria"-Sprechchöre Laschet bricht Flüchtlingslager-Besuch ab

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In Europas größtem Flüchtlingslager leben, statt der angedachten 3000 Personen, mehr als 14.000 Geflüchtete unter widrigsten Umständen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Lage in dem Flüchtlingscamp Moria ist aufgrund fragwürdiger Bedingungen und einer extremen Überbelegung sehr angespannt. Um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen, besucht Laschet das Elendslager auf der Insel Lesbos. Die Begehung des inoffiziellen Teils des Camps muss jedoch entfallen.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet von der CDU hat einen Besuch im überfüllten Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Laschet hatte nach dem Besuch des Container-Bereichs eine Visite im sogenannten wilden Teil außerhalb des Camps geplant. Auf Anraten des örtlichen Sicherheitschefs wurde der Besuch in dem Teil kurzfristig abgesagt. Zuvor hatten sich Gruppen von Flüchtlingen aus Afghanistan und Afrika versammelt und in Sprechchören "Free Moria" gerufen. Aus Delegationskreisen verlautete, der Sicherheitschef habe gesagt, die Flüchtlinge hätten Laschet für den "Prime Minister of Germany" gehalten.

Ein starkes Aufgebot an Sicherheitskräften schirmte Laschet von den Flüchtlingen ab. Das 2015 auf einer früheren Militäranlage errichtete Aufnahmezentrum ist das größte Flüchtlingslager Europas und komplett überfüllt. Eigentlich ist es ausgelegt für 3000 Personen, derzeit leben aber mehr als 14.000 Geflüchtete dort.

Im und um das Lager kommt es immer wieder zu Schlägereien und Messerstechereien zwischen Migranten verschiedener Nationalitäten. Vor allem im wegen der Überfüllung des Hauptlagers gebildeten Satellitencamp herrscht Gesetzlosigkeit. Immer wieder kommt es dort zu Gewalttaten, die in den vergangenen fünf Jahren mehreren Menschen das Leben gekostet haben.

Anschließend fuhr der NRW-Regierungschef in das Camp Kara Tepe. In dem als "Vorzeigelager" geltenden Camp halten sich etwa 1300 Menschen auf. Dieser Besuch lief zunächst ohne Zwischenfälle ab. Laschet will sich im Dezember um den CDU-Bundesvorsitz bewerben und gilt damit auch als möglicher Kanzlerkandidat. Der CDU-Politiker war am Montag vom griechischen Premier Kyriakos Mitsotakis empfangen worden. Dabei hatte sich Laschet im Namen der Bundesregierung für eine europäische Lösung der Flüchtlingskrise in Griechenland eingesetzt.

Die EU kommt bei einer Einigung über eine geplante gemeinsame Asylreform seit Jahren kaum voran. Italien, Malta, Spanien, Griechenland und Zypern dringen auf einen verpflichtenden Mechanismus zur Verteilung von Migranten. Ungarn, Tschechien, Polen, Estland, Lettland, die Slowakei und Slowenien wollen hingegen das Gegenteil. In einem Brief an die EU-Kommission betonen die sieben Länder ihre Ablehnung einer verpflichtenden Verteilung "in jeder Form". Im September will die EU-Kommission neue Vorschläge vorlegen.

Quelle: ntv.de, jru/dpa