Politik

Griechenland: Erste Sitze-Hochrechnung Laut Hochrechnungen hat Tsipras alle Möglichkeiten

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Alexis Tsipras wird den Auftrag erhalten, eine neue Regierung zu bilden.

(Foto: AP)

Der alte Ministerpräsident könnte auch der neue sein: Wenn die ersten offiziellen Hochrechnungen stimmen, kann sich Alexis Tsipras einen Koalitionspartner aussuchen.

Die griechische Linkspartei Syriza hat bei der Wahl besser abgeschnitten als zuletzt vorhergesagt wurde. Die Partei erhielt laut Hochrechnung 35 Prozent. Das würde wohl reichen, um eine Zwei-Parteien-Koalition zu bilden. Parteichef Alexis Tsipras hätte die Wahl zwischen der konservativen Nea Dimokratia (28 Prozent), der sozialdemokratischen Pasok (6 Prozent), der kommunistischen KKE (6 Prozent), den rechten Unabhängigen Griechen (4 Prozent) und der liberalen To Potami (4 Prozent). Demoskopen hatten mit einem knapperen Ausgang gerechnet. Die rechtsradikale Goldene Morgenröte, mit der eine Koalition ausgeschlossen ist, erhielt 7 Prozent.

In Griechenland gilt eine Drei-Prozent-Hürde. Die Partei mit den meisten Stimmen bekommt einen Bonus von 50 Parlamentssitzen. Da das Parlament aus 300 Abgeordneten besteht, sind für eine Mehrheit 151 Sitze notwendig.

Laut Hochrechnung nach Auszählung von 36 Prozent der Stimmen kann Syriza mit 145 Sitzen rechnen. Die Nea Dimokratia bekäme 75, die Goldene Morgenröte 19, Pasok 17, KKE 15, To Potami 10, die Unabhängigen Griechen ebenfalls 10 und die Union der Zentristen 9 Sitze.

Meimaraiks gratuliert

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Alexis Tsipras schrieb auf Twitter: "Vor uns öffnet sich ein Weg von Arbeit und Kampf.", schrieb der Vorsitzende der Syriza-Partei am Sonntagabend im Kurzbotschaftendienst Twitter. Angeblich will Tsipras binnen drei Tagen eine Regierung bilden. Für eine Koalition wolle er sich an den bisherigen Partner, die rechten "Unabhängigen Griechen", wenden.

Tsipras wurde von Anhängern der Partei mit Jubel empfangen, äußerte sich aber zunächst nicht. Der Chef der Nea Dimokratia, Evangelos Meimarakis, räumte seine Niederlage ein. "Ich gratuliere Herrn Tsipras und fordere ihn auf, seine Regierung zu bilden", sagte er.

Die Parlamentswahl war der fünfte Wahlgang seit dem Jahr 2010. Allein in diesem Jahr war es das dritte Mal, dass die Griechen zur Stimmabgabe aufgerufen waren - nach der Parlamentswahl im Januar und einer Volksabstimmung über die internationalen Sparauflagen im Juli.

Angeblich hatte Tsipras an Beliebtheit verloren

Tsipras hatte mit seinem Rücktritt im August den Weg für die vorgezogenen Neuwahlen freigemacht, nachdem ihm im Streit um die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern ein Teil seiner Partei die Gefolgschaft verweigert hatte. Der linke Flügel, der nach der Abspaltung von Syriza die Partei "Volkseinheit" gründete, wirft Tsipras vor, sich trotz anders lautender Wahlversprechen den Spar- und Reformforderungen der Kreditgeber gebeugt zu haben.

Syriza war bei der Parlamentswahl im Januar mit 36,3 Prozent mit dem Versprechen stärkste Kraft geworden, die schmerzhafte Sparpolitik zu beenden. Im Juli schloss Tsipras dann aber trotz eines Nein-Votums der Bevölkerung ein Abkommen mit den Geldgebern, um neue Finanzhilfen in Höhe von 86 Milliarden Euro zu erhalten. Dies kostete dem 41-Jährigen laut Umfragen viel Zustimmung, während sein 61-jähriger Herausforderer Meimarakis demnach deutlich an Beliebtheit zulegte. Die Meinungsforscher hatten deswegen einen knappen Wahlausgang vorhergesagt.

Quelle: ntv.de, che/AFP