Politik

Präsident Macron wird 40 "Le Kid" mausert sich zum Anti-Trump

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Emmanuel Macron hat seinen Geburtstag auf Schloss Chambord vorgefeiert. Das passt den Linken überhaupt nicht.

(Foto: REUTERS)

Emmanuel Macron ist einer der jüngsten Staatschefs Europas - heute feiert der Franzose seinen 40. Geburtstag. Doch politische Geschenke darf er nicht erwarten: Während daheim die Linke gegen ihn wettert, vertröstet ihn Brüssel stets auf morgen.

Die Linken schäumten. Kurz vor seinem 40. Geburtstag berichteten französische Medien, dass Emmanuel Macron und seine Gattin Brigitte in einem exklusiven Château an der Loire vorfeiern würden - auf Schloss Chambord, einem königlichen Prunkbau aus dem 16. Jahrhundert. "Lächerlich", nannte dies der Ex-Präsidentschaftskandidat der Linken, Jean-Luc Melenchon - und sprach von reichlich royalem Symbolismus. Macron, der seit seinem Amtsantritt im Mai dieses Jahres von Kritikern als "Präsident der Reichen" geschmäht und dem die Attitüde eines "Sonnenkönigs" unterstellt wird, nächtigt ausgerechnet in einem Renaissance-Schloss. Wie passend.

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Emmanuel Macron auf dem Cover des Nachrichtenmagazins "L'Express".

Letztlich sah sich der Élysée-Palast in der Sache sogar zu einer Richtigstellung genötigt: Der Präsident feiere nicht etwa im Schloss, sondern in einem Gästehaus nahe des Schlosses, hieß es. Besser machte es das freilich nicht. Noch immer bietet Frankreichs jüngstes Staatsoberhaupt seit Napoleon Bonaparte wegen seiner elitären Herkunft reichlich Angriffsfläche. Das ist natürlich unfair - denn warum sollte ein Ärztesohn, Akademiker und Ex-Investmentbanker nicht auch etwas für Frankreichs Arbeiter übrig haben? Macrons Ruf ist in den ersten sechs Monaten seiner Amtszeit aber auch deshalb kaum besser geworden, weil sein Reformkurs wenig sozial ist.

Ja, Macron hat gehalten, was er versprochen hat: Die unpopuläre Arbeitsmarktreform, von der er schon im Wahlkampf gesprochen hatte, peitschte er ebenso in Rekordzeit durchs Parlament wie die Abschaffung der Vermögensteuer. Das Wohngeld für Bedürftige kürzte er, und auch beim Militär setzte er den Rotstift an. Letzteres brachte ihm im Sommer einen offen geführten Machtkampf mit General Pierre de Villiers ein - den letztlich Macron gewann. Doch mit den Leuten auf der Straße ist nicht so leicht kurzer Prozess zu machen. Und der junge Präsident, dem Frankreichs auflagenstärkstes Nachrichtenmagazin "L'Express" den Beinamen "Le Kid" - das Kind - verpasste, hat sich manches Mal wie ein bockiger Teenie im Ton vergriffen.

Innen angezählt, draußen hip

Kritiker seines strikten Reformkurses nannte er wenig präsidentiell "Faulenzer, Zyniker und Radikale", denen er keinen Zentimeter nachgeben werde. Demonstrierenden Arbeitern eines pleitebedrohten Automobilzulieferers in La Souterraine sagte Macron, sie täten besser daran, sich nach einer neuen Stelle umzusehen, "anstatt Ärger zu machen". Zwar entschuldigte sich der 40-Jährige später für die derbe Wortwahl - doch Zweifel daran wuchsen, ob sich Macron wirklich als Präsident aller Franzosen versteht. In den Umfragen ging es stetig bergab. Aber auch das hat Macron in sechs Monaten im Élysée-Palast bewiesen: Er kann kämpfen.

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Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop stieg die Popularität des Präsidenten zuletzt wieder um sechs Prozentpunkte - die Hälfte der Franzosen sei zufrieden mit der Amtsführung Macrons, trotz aller innenpolitischer Probleme. Geschafft hat er das vor allem durch seine Außenpolitik. Auf der internationalen Bühne ließ sich Macron weder durch politische Schwergewichte wie Kremlchef Wladimir Putin, noch durch krawallige Töne von US-Präsident Donald Trump einschüchtern. Ganz im Gegenteil: Dem Austritt Washingtons aus dem Pariser Klimavertrag setzte er mit dem Slogan "Make Our Planet Great Again" zum Klimagipfel vor einigen Tagen eine bissige Retourkutsche entgegen.

Vorschusslorbeeren à la Obama

Selbst bei linken Wählern konnte Macron damit punkten. Doch nicht nur im eigenen Land kommt sein selbstbewusster außenpolitischer Kurs an - auch in Europa hat er damit an Profil gewonnen. Galt Bundeskanzlerin Angela Merkel in der EU lange als Führungsfigur, macht ihr Frankreichs Politstar nun zunehmend diese Rolle streitig. Denn während Merkel auch Monate nach der Bundestagswahl durch die zähe Regierungsbildung in ihrer Handlungsfähigkeit gelähmt wird, prescht Macron mit immer neuen Visionen für ein moderneres Europa nach vorn - etwa für eine reformierte Wirtschafts- und Währungsunion. Da wirkt Berlin im Moment eher wie ein bremsender Klotz am Bein.

"Europa verdient es, verteidigt und neu begründet zu werden!", twitterte der französische Präsident als erste Reaktion auf die Auszeichnung mit dem Aachener Karlspreis vor zwei Wochen - eine Ehre, die sehr an die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama im Jahr 2009 erinnert. Womöglich kommt sie wieder einmal zu früh. Denn der frühere US-Präsident konnte letztlich die Erwartungen, die an ihn geknüpft wurden, nicht erfüllen. Sollte auch Macron als "Vordenker für die Erneuerung des Europäischen Traums" - wie es das Aachener Komitee formulierte - scheitern, wäre das ein herber Rückschlag nicht nur für den Präsidenten selbst, sondern für ganz Europa. Denn Visionäre sind hier knapp geworden.

Und die Rechte steht auch in Frankreich unverändert bereit. Noch läuft zwar alles nach Macrons Plan: Volkswirte staunen über die Wirtschaft, die sich "in rasantem Tempo berappelt" habe. Doch das muss letztlich nicht nur im Pariser Bankenviertel La Défense ankommen, sondern auch in den ländlichen Gebieten, wo Werks- und Fabrikschließungen die Front National (FN) groß gemacht haben. Ob Macron auch auf die dortigen Probleme eine Antwort hat, ist offen. Wahrscheinlich sieht er es ganz ähnlich wie seine Gattin Brigitte. Die sagte in einem Interview nach der Wahl: "Ich weiß nicht, wohin es geht - aber ich weiß, wir sind unterwegs."

Quelle: n-tv.de