Politik

Radikaler Wahlkampf in Marseille Le Pen kündigt "nationalen Aufstand" an

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Marine Le Pen lässt sich in Marseille von ihren Anhängern feiern.

(Foto: REUTERS)

Es ist nicht weniger als eine Revolution, die Front-National-Chefin Marine Le Pen ihren Anhängern im südfranzösischen Marseille verspricht. Raus aus der EU! Raus mit Gefährdern! "Die Franzosen zuerst!", fordert sie. Doch gegen Macron hilft ihr das nicht.

Wenige Tage vor der mit Spannung erwarteten Präsidentschaftswahl in Frankreich hat die Chefin des rechtsextremen Front National (FN) noch einmal ihre Tonlage verschärft: Bei einem Wahlkampfauftritt im südfranzösischen Marseille versprach sie ihren Wählern im Falle ihres Sieges einen "nationalen Aufstand". Dieser müsse friedlich und demokratisch ablaufen, so Le Pen. Erst dann werde das Land seine Bürger zurückbekommen. Die Rechtspopulistin, die mit Slogans wie "Die Franzosen zuerst!" und "Im Namen des Volkes" für den Austritt aus der Europäischen Union und gegen Einwanderer Stimmung macht, thematisierte erneut die Sicherheitspolitik in Frankreich. Seit 2015 herrscht in dem Land der Ausnahmezustand.

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Le Pen forderte erneut den Austritt aus dem Abkommen von Schengen und die Schließung der Grenzen, die zu einem "Sieb" für Terroristen geworden seien. Bereits jetzt halte sich eine "immense Schattenarmee" in Frankreich auf, die "uns lehren wollen, in Angst zu leben", sagte die Präsidentschaftskandidatin. Das "Gift" der radikalen Islamisten müsse "ausgerottet" und mutmaßliche ausländische Gefährder "sofort ausgewiesen" werden, so Le Pen weiter. Nur einen Tag zuvor hatte die Polizei in Marseille zwei mutmaßliche Terroristen festgenommen, weil sie einen Anschlag geplant haben sollen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung waren sowohl Waffen als auch große Mengen Sprengstoff gefunden worden.

Bereits am Dienstag hatte Le Pen der EU in einem Interview mit dem französischen TV-Sender TF1 vorgeworfen, den Franzosen "großen Schaden" zugefügt zu haben. Eine Europa-Flagge, die hinter ihr neben Frankreichs Nationalflagge platziert worden war, ließ sie laut Berichten lokaler Medien mit der Erklärung entfernen, sie wolle Präsidentin von Frankreich werden und "nicht von der Europäischen Kommission". Die 48-Jährige sitzt seit knapp 13 Jahren als Abgeordnete im Europäischen Parlament. Zuletzt hatte sie ihre Immunität verloren, nachdem die Staatsanwaltschaft in Nanterre wegen des Vorwurfs der "Verbreitung von Gewaltbildern" im Internet Ermittlungen gegen sie aufgenommen hatte.

Letzte TV-Sendung mit Kandidaten

Letzte Umfragen sehen Le Pen derzeit knapp hinter dem unabhängigen Emmanuel Macron, der in der ersten Runde der Präsidentenwahl am Sonntag mit 23,5 Prozent der Stimmen vorn läge. Le Pen käme demnach auf 22,5 Prozent. Aber auch der Konservative François Fillon und der linke Jean-Luc Mélenchon können sich mit derzeit jeweils 19 Prozent der Stimmen noch Hoffnungen auf den Einzug in die Stichwahl am 7. Mai machen. Spätestens dann jedoch sagen Meinungsforschungsinstitute eine Niederlage Le Pens gegen jeden der drei anderen Kandidaten voraus.

Den letzten Ausschlag könnte am Abend eine weitere TV-Sendung mit allen elf französischen Präsidentschaftskandidaten geben. Allerdings wird es keine klassische Debatte geben. Sie war geplatzt, nachdem mehrere Kandidaten Bedenken gegen einen direkten Schlagabtausch so kurz vor dem ersten Wahlgang am Sonntag angemeldet hatten. Stattdessen führen nun Journalisten des Senders France 2 nacheinander Einzelinterviews mit den Politikern. Jeder Kandidat hat 15 Minuten Zeit, um sein Programm vorzustellen.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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