Politik

"Schneidet das Interview nicht"Leavitt droht CBS vor Ausstrahlung schon mal präventiv mit Klage

18.01.2026, 18:35 Uhr
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Leavitt übt häufig Druck auf unliebsame Medienvertreter aus. (Foto: Evan Vucci/AP/dpa)

Der US-Regierung ist die freie Presse offensichtlich ein Dorn im Auge. Das zeigt sich erneut, als Trump-Sprecherin Karoline Leavitt einem Team von CBS beiläufig mit einer Klage droht, falls die Sendung nicht den Wünschen des Präsidenten entspricht.

Kurz nach einem Interview mit US-Präsident Donald Trump für "CBS Evening News" hat die Sprecherin des Weißen Hauses den anwesenden Journalisten mit einer Klage gedroht. Laut einem Bericht der "New York Times" kam sie nach dem rund 13-minütigen Gespräch zu den anwesenden Journalisten um Moderator Tony Dokoupil, um ihnen eine Botschaft von Trump auszurichten. Die "Times" hat in ihren Artikel auch eine Aufnahme des Gesprächs eingebunden. Auf ihr ist zu hören, wie Leavitt sagt: "Er sagte: Stellt sicher, dass ihr die Sendung nicht schneidet, stellt sicher, dass das Interview vollständig veröffentlicht wird."

Moderator Dokoupil antwortet: "Ja, das machen wir, ja", worauf Leavitt erwidert: "Er sagte: Wenn es nicht vollständig veröffentlicht wird, verklagen wir euch bis aufs Letzte." Auf der Aufnahme hört man auch die Antworten des Teams. "Oh, großartig, okay", antwortet eine Person, laut der "Times" die Produzentin Kim Harvey. "Das sagt er immer", sagt danach Moderator Dokoupil, scheinbar im Versuch, die Situation mit Humor aufzulockern.

"Als wir dieses Interview gebucht haben, haben wir unabhängig davon beschlossen, es unbearbeitet und in voller Länge auszustrahlen", erklärte "CBS News" laut Bericht. Leavitt sagte demnach: "Das amerikanische Volk hat es verdient, die vollständigen Interviews mit Präsident Trump zu sehen, unbearbeitet und ohne Schnitte. Und wissen Sie was? Das Interview wurde in voller Länge ausgestrahlt."

Leavitts Aussagen sind sinnbildlich für den Druck, den die US-Regierung auf Medienschaffende ausübt, die nicht uneingeschränkt die Regierungslinie fahren. Trump greift die Pressefreiheit offen an und verklagt regelmäßig Nachrichtenorganisationen. Sein Justizministerium hatte am Mittwoch die Wohnung einer Reporterin der "Washington Post" durchsucht und dabei Laptops und andere Geräte beschlagnahmt. Das Pentagon verweigert kritischen Reportern den Zutritt und das Verteidigungsministerium hat angekündigt, die zuvor redaktionell unabhängige Militärzeitung Stars and Stripes zu übernehmen und auf Linie zu bringen.

"Vor nicht allzu langer Zeit wäre es noch schockierend gewesen, wenn die Pressesprecherin des Weißen Hauses einem Journalisten beiläufig mit einer Klage gedroht hätte, falls dieser ihren Anweisungen nicht Folge leisten", schreibt die "Times" dazu. Trump hatte CBS bereits einmal zuvor verklagt. Damals einigte er sich auf eine Entschädigungszahlung von rund 16 Millionen US-Dollar. Diese geht jedoch nicht an ihn direkt, sondern an seine künftige US-Präsidentenbibliothek.

Quelle: ntv.de, toh

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