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Schulweg in absoluter Dunkelheit Lehrer warnen vor dauerhafter Sommerzeit

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Käme eine dauerhafte Sommerzeit, müssten Schüler noch öfter im Dunkeln zur Schule gehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ab 2021 soll die Zeitumstellung in der Europäischen Union Geschichte sein. Während die Mitgliedstaaten darüber diskutieren, ob künftig Winter- oder Sommerzeit gelten soll, formuliert der Deutsche Lehrerverband bereits eine klare Präferenz.

Der Deutsche Lehrerverband fürchtet für den Fall einer dauerhaften Umstellung auf Sommerzeit gesundheitliche Gefahren für Schüler. "Die Wahrscheinlichkeit für Schlaf- und Lernprobleme, Depressionen und Diabetes wird nachweislich massiv erhöht", erklärte Präsident Heinz-Peter Meidinger in Berlin. Er forderte die Bundesregierung auf, die potenzielle Einführung dauerhafter Sommerzeit in Deutschland zu verhindern.

Meidinger verwies auch auf steigende Unfallrisiken, weil Millionen Schüler dann "zwei Monate länger bei absoluter Dunkelheit ihren morgendlichen Schulweg antreten müssten". In der EU wird an der Abschaffung der Zeitumstellung gearbeitet, die zweimal im Jahr erfolgt. Voraussichtlich Ende März wird das EU-Parlament darüber abstimmen. Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten stehen aber noch aus.

Der Landeschef der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Felix Banaszak, forderte die Bundesländer zu Planungen für einen späteren Unterrichtsbeginn auf. Dies sollte zumindest an den weiterführenden Schulen geprüft werden, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Ansonsten sitzen die Schulkinder bis zur großen Pause in der Dunkelheit." Er selbst verwies zugleich aber auch auf Probleme, die berufstätigen Eltern bei späterem Schulstart entstehen könnten.

Der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments hatte am Montag für eine Abschaffung der Zeitumstellung ab dem Jahr 2021 gestimmt. Es herrscht auf EU-Ebene weitestgehend Einigkeit darüber, dass künftig nicht mehr zwei Mal jährlich an der Uhr gedreht werden soll. Streit gibt es jedoch beim Zeitplan. Die EU-Kommission hatte ursprünglich 2019 anvisiert, die Mitgliedstaaten forderten deutlich mehr Vorbereitungszeit. Ein Problem ist die bislang fehlende Abstimmung zwischen den EU-Ländern.

EU-Mitgliedsländer sind sich uneins

Gemäß dem Plan der EU-Kommission kann jedes Land für sich entscheiden, in welcher Zeitzone es dauerhaft bleibt: So wäre es möglich, dass sich etwa Deutschland anders entscheidet als die Nachbarn Belgien oder Frankreich - und die Länder dann in unterschiedlichen Zeitzonen lägen. Um einen "Flickenteppich verschiedener Zeitzonen in Europa" zu verhindern, hatte der EU-Rat im Dezember mehr Zeit gefordert. Die damalige österreichische Ratspräsidentschaft brachte das Jahr 2021 ins Spiel. Eine Einigung auf eine gemeinsame Position der zukünftig 27 Mitgliedstaaten blieb jedoch aus.

Die Vollversammlung des EU-Parlaments wird voraussichtlich Ende März abschließend über die Angelegenheit abstimmen. Die Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten können jedoch erst beginnen, wenn diese sich auf eine gemeinsame Haltung verständigt haben. Die nächste Zeitumstellung findet am 31. März statt.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP

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