Politik

Weckruf vor Runde bei Merkel Leopoldina will einheitlichere Corona-Regeln

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AHA gilt eigentlich überall. Doch nicht überall werden die Corona-Regeln einheitlich um- und durchgesetzt.

(Foto: dpa)

Zum Herbst regt der wichtigste Expertenkreis der Bundesregierung an, sich auf einheitlichere Corona-Regeln zu einigen und diese konsequenter umzusetzen. Die Wissenschaftler mahnen zudem an, stärker die psychischen und sozialen Folgen der Krise in den Blick zu nehmen.

Knapp eine Woche vor den nächsten Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina mit Blick auf den Herbst einheitlichere Corona-Regeln in Deutschland angemahnt. "Um der Gefahr einer auch in Deutschland wieder schwerer zu kontrollierenden Entwicklung der Pandemie rechtzeitig zu begegnen, ist es dringend notwendig, dass sich die Verantwortlichen in Bund und Ländern rasch auf bundesweit verbindliche, wirksame und einheitliche Regeln für das Inkrafttreten von Vorsorgemaßnahmen einigen und diese konsequenter als bisher um- und durchsetzen", heißt es in einer neuen Stellungnahme der Akademie.

Die Wissenschaftler haben seit Beginn der Pandemie mehrfach in Stellungnahmen Politikempfehlungen abgegeben, die dann auch in die aktuellen Beratungen eingeflossen sind. Merkel und die Länderchefs wollen am kommenden Dienstag in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen sprechen. Hintergrund sind steigende Infektionszahlen in Europa und auch in Deutschland und Befürchtungen über eine Verschärfung der Lage im Herbst und Winter.

"Mit Blick auf eine mögliche angespannte Situation im Herbst und Winter sollten bundesweit einheitliche Regeln und Eskalationsstufen für Schutzmaßnahmen definiert werden, die je nach regionalem Infektionsgeschehen greifen", empfehlen die Leopoldina-Experten. Ziel müsse es auch bei steigenden Neuinfektionszahlen bleiben, das öffentliche und wirtschaftliche Leben aufrechtzuerhalten und die Schließung von Bildungseinrichtungen zu vermeiden. Entsprechend hatten sich auch Vertreter von Bund und Ländern zuletzt immer wieder geäußert.

Isolations- und Quarantänezeit verkürzen

Die Wissenschaftler appellieren an die Politik, bei allen Schutzmaßnahmen "differenzierter als bislang" die Rechte Betroffener, etwa in Pflegeeinrichtungen, zu wahren und ihre sozialen Bedürfnisse angemessen zu berücksichtigen". Bei Test- und Quarantänevorgaben werden außerdem Anpassungen im Herbst und Winter empfohlen. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte bereits angekündigt, dass es bis Mitte Oktober eine neue Corona-Teststrategie, Testverordnung und neue Quarantäneregeln geben solle.

Die Leopoldina sieht viel Potenzial in einer möglichen Zulassung sogenannter Antigen-Schnelltests. "Ziel muss es sein, die Zeit zwischen Test und Ergebnis weiter zu verkürzen und insbesondere die Infektiosität zu erfassen, da sich hierauf die Notwendigkeit von Isolationsmaßnahmen begründet." Spahn hatte angekündigt, dass diese Schnelltests Bestandteil der neuen Teststrategie werden sollen, weil sie mittlerweile auch qualitativ besser seien. Beispielsweise könnten damit Besucher von Pflegeheimen schnell getestet werden, um direkt ein Ergebnis zu erfahren.

In ihrer Stellungnahme plädieren die Wissenschaftler außerdem dafür, die Isolationszeit nach Symptombeginn bei nachgewiesener Erkrankung auf eine Woche zu verkürzen, "um negative Auswirkungen für Einzelne, Familienangehörige sowie Wirtschaft und Gesellschaft zu reduzieren". "Auch die Quarantänezeit von Personen, die einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt waren (...), ließe sich nach neueren Schätzungen von 14 auf 10 Tage reduzieren", heißt es weiter.

Beim Thema Maske wird eine harte Gangart empfohlen: "Die Missachtung verbindlicher Anordnungen zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist überall mit einem Bußgeld zu belegen, um solchen Anordnungen den gebotenen Nachdruck zu sichern."

Quelle: ntv.de, jog/dpa