Politik

Nach Vorfall im BaltikumLettland schäumt wegen Russlands Drohnen-Erzählung

19.05.2026, 22:47 Uhr
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Die Drohnenvorfälle der letzten Wochen im Baltikum sorgen für Turbulenzen in der lettischen Politik. (Foto: IMAGO/Joko)

Erneut gerät eine wahrscheinlich ukrainische Drohne in den Luftraum eines baltischen Staates. Laut Angaben aus Kiew wurde sie von Russland durch elektronische Kriegsführung umgelenkt. Aus Moskau wird wie gewohnt eine andere Version verbreitet. Das macht vor allem die Regierung in Riga sauer.

Lettland wirft Russland massive Desinformation über die jüngsten Drohnenvorfälle in den baltischen Staaten vor. Demnach behauptet Moskau, Estland, Lettland und Litauen ließen zu, dass ihr Territorium für ukrainische Angriffe gegen Russland genutzt werde. Dies wurde von der lettischen Staatsführung entschieden zurückgewiesen. Das Außenministerium des EU- und Nato-Mitglieds bestellte zudem einen Vertreter der russischen Botschaft ein und überreichte eine Protestnote.

"Russland verbreitet seit einigen Wochen die Lüge, die baltischen Staaten und Finnland würden unseren Luftraum für ukrainische Angriffe zur Verfügung stellen", sagte Außenministerin Baiba Braze nach einem Treffen mit ihrer kanadischen Amtskollegin Anita Anand. Dies stimme nicht und sei russischen Vertretern durch Einbestellung ins Außenamt, aber auch über andere Quellen mitgeteilt worden. "Heute wurde eine neue Lüge vom russischen Auslandsgeheimdienst verbreitet, die wir entschieden zurückgewiesen und widerlegt haben."

In Estland hatten zuvor Nato-Kampfjets über Estland eine mutmaßlich ukrainische Drohne abgeschossen, die mutmaßlich auf russische Ziele gerichtet war und in den estnischen Luftraum eingeflogen ist. Auch die lettische Armee informierte die Bevölkerung über eine mögliche Bedrohungslage durch eine Drohne im Osten des Landes.

"Russland lenkt weiterhin ukrainische Drohnen mithilfe elektronischer Kriegsführung ins Baltikum um. Moskau tut dies vorsätzlich und verstärkt dabei seine Propaganda. Wir entschuldigen uns bei Estland und allen unseren baltischen Freunden für diese unbeabsichtigten Vorfälle", hieß es von einem Sprecher des ukrainischen Außenministeriums in einer Mitteilung auf X.

Politische Krise

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion. In dem wechselseitigen Drohnenkrieg sind die mit elektronischen Mitteln abgewehrten Fluggeräte auch eine Gefahr für die Nachbarländer. Bei ukrainischen Angriffen waren in jüngster Zeit wiederholt fehlgeleitete Drohnen in den Luftraum der baltischen Staaten eingedrungen und teils abgestürzt. Kiew hatte mit ihnen Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen.

In Lettland wurde bei einem der jüngsten Zwischenfälle in diesem Monat ein kaum genutztes Öllager mit leeren Tanks in Rezekne im Osten des Landes getroffen. Bei dem Vorfall waren zwei fehlgeleitete ukrainische Drohnen nahe der russischen Grenze abgestürzt. Niemand wurde verletzt. Der Vorfall löste aber eine politische Krise im Land aus, bei der erst Verteidigungsminister Andris Spruds und dann Regierungschefin Evika Silina zurücktrat.

Quelle: ntv.de, rog/dpa

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