Politik

Der Philosoph und die LibyenfrageLévy beeinflusst Sarkozy

26.03.2011, 17:25 Uhr

Frankreichs Intellektueller Bernard Henri Lévy war derjenige, der Präsident Sarkozy dazu gedrängt hat, in der Libyenfrage voranzugehen. Nun kritisiert Lévy die deutsche Zurückhaltung scharf.

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Bernard Henri Lévy wirft Deutschland Feigheit vor. (Foto: dpa)

Das weiße Hemd unterm dunklen Sakko trug er wie üblich weit aufgeknöpft, als er in Bengasi auf die libyschen Rebellen traf. Der französische Philosoph und Dauer-Kommentator Bernard Henri Lévy (BHL) wollte sich als Kriegsreporter für die Zeitung "Liberation" versuchen, zu deren Aktionären er zählt. Dass seine Reise indirekt zum Ausgangspunkt eines internationalen Militäreinsatzes gegen Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi wurde, hätte er selbst kaum gedacht. Nun wirft er der deutschen Regierung unverblümt Feigheit vor, da sie sich an dem Einsatz militärisch nicht beteiligen will.

"Sie haben einen schlechten Außenminister", sagte er dem ARD-Magazin "Titel-Thesen-Temperamente". Er sei entsetzt über die Position von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle. "Die deutschen Bemühungen, den Eingriff herauszuzögern, haben vermutlich viele Libyer das Leben gekostet", fügte er hinzu. Die deutsche Außenpolitik sei über Jahre hinweg von dem Motto geprägt gewesen: "Nie wieder Nazis". "Und heute bedeutet dies eben 'Weg mit Gaddafi'", sagte Lévy.

Paris und Berlin in der Krise

Nach Ansicht des Philosophen stecken Paris und Berlin in ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten. Es sei gut möglich, dass Deutschland sich mit seiner Zurückhaltung die Aussicht auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat verspielt habe, orakelt Lévy.

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Sarkozy und Lévy liegen politisch weit auseinander. (Foto: AP)

Dass er die scharfe UN-Resolution und den schnellen Beginn der Libyen-Offensive mit in die Wege geleitet hat, will er nicht für sich in Anspruch nehmen. Aber dass der französische Präsident Nicolas Sarkozy überraschend die Repräsentanten der libyschen Rebellen anerkannte, gehe durchaus auf sein Konto, sagt er. Eingefädelt hatte Lévy das Treffen per Satellitentelefon von Bengasi aus. "Das sind Libyens Mudschaheddin. So ein Treffen hätte große politische Bedeutung", sagte er in Anspielung auf die Widerstandskämpfer gegen die Taliban.

Trennendes und Verbindendes

Bei dem folgenreichen Treffen im Elysée wenige Tage später war BHL auch dabei - im Unterschied zum französischen Außenminister Alain Juppé. Dieser erfuhr von dem geplanten Botschafteraustausch mit den libyschen Rebellen erst, als er in Brüssel aus dem Zug stieg. Juppé dementierte dies später, doch der Eindruck hatte sich längst festgesetzt, dass Sarkozy ihn in seinem Tatendrang schlicht übergangen hatte.

Sarkozy und BHL sind alles andere als politische Freunde. "Ich habe mich oft gegen ihn gestellt und werde das auch in Zukunft wieder tun", sagte Lévy und versicherte, dass er Sarkozy keinesfalls wählen werde. "Aber in diesem Fall hat er eine mutige Entscheidung getroffen", fügte er hinzu.

Den Staatsmann und den Intellektuellen verbindet allerdings auch eine ganze Menge - von der persönlichen Eitelkeit über dieselbe Maskenbildnerin bis zur Präsidentengattin Carla. Diese hatte früher einmal Lévys Tochter Justine deren Mann Raphaël ausgespannt.

Quelle: Ulrike Koltermann, dpa