Politik

90 Menschen an Bord Libysche Armee schießt auf Seenotretter

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Der Seenotretter "Alan Kurdi" berichtet von einem bedrohlichen Zwischenfall vor der libyschen Küste.

(Foto: picture alliance/dpa)

Während die EU immer noch über den Umgang mit privater Seenotrettung auf dem Mittelmeer streitet, berichtet das deutsche Schiff "Alan Kurdi" von einem Zusammenstoß mit der libyschen Armee. Die Streitkräfte wollten 90 Flüchtlinge gewaltsam zurück nach Libyen bringen. Nun sind sie an Bord der Seenotretter.

Libysche Einsatzkräfte haben nach Angaben der Hilfsorganisation Sea Eye während eines Einsatzes zur Rettung von 90 Menschen aus dem Mittelmeer Warnschüsse abgefeuert und Retter sowie Flüchtlinge bedroht. Die libyschen Patrouillenboote seien "mit hoher Geschwindigkeit" auf das Rettungsschiff "Alan Kurdi" zugesteuert, die Einsatzkräfte seien maskiert gewesen, sagte Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler.

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Sie hätten die Flüchtlinge überdies mit Maschinengewehren bedroht. Letzlich sei es aber mit einem Hilfsboot gelungen, die Flüchtlinge, die zuvor auf einem Schlauchboot trieben, an Bord der "Alan Kurdi" zu nehmen. "Die akute Bedrohungssituation ist beendet", sagte Isler. Er zeigte sich zugleich empört über das Verhalten der "Schwerverbrecher" aus Libyen. "So etwas haben wir noch nie erlebt - weder mit der 'Alan Kurdi' noch mit anderen Schiffen", sagte Isler. Die libyschen Schiffe hätten "keine Bootskennung" gehabt und mit ihrem Bordgeschütz gedroht. Sie hätten die "Alan Kurdi" eingekreist, so dass sie zeitweise nicht mehr manövrierfähig gewesen sei.

Bei einer Kollision zwischen der "Alan Kurdi", dem dazugehörigen Rettungsboot und dem Schlauchboot seien mehrere Menschen ins Wasser gefallen und von den libyschen Booten an Bord genommen worden, dann aber wieder ins Wasser gesprungen. Im Endeffekt sei aber niemand schwer verletzt worden, sagte Isler. "Wir haben den Eindruck, dass wir alle Leute an Bord nehmen konnten." Die libyschen Boote hätten dann abgedreht, die "Alan Kurdi" sei in Richtung Norden unterwegs. Sea Eye teilte via Twitter mit, dass die 17 Mitglieder der Crew und die 90 Geretteten "sicher an Bord" seien.

Erst im September hatten Deutschland und Frankreich einen Vorstoß unternommen, um Schiffbrüchigen in der EU aufzunehmen, die vor Libyen von privaten Seenotrettern an Bord genommen werden. Der Vorschlag von Bundesinnenminister Seehofer fand aber beim letzten Treffen der Innen- und Justizminister keinen Rückhalt. Ihre eigenen Rettungsaktionen im Mittelmeer hat die EU eingestellt.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP