Politik

"Das ist eine Sache für Profis" Lindner kritisiert Schüler für Klimademos

116318636.jpg

Lindner rät den Schülern, die Proteste in die Freizeit zu verlagern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Von mehreren Seiten gibt es bereits Kritik an den Schülerdemos für mehr Klimaschutz während des Unterrichts. Doch FDP-Chef Lindner hält die Jugendlichen offenbar auch nicht für kompetent genug, das Thema ganz zu durchdringen. Eine Antwort kommt prompt.

FDP-Chef Christian Lindner hat die Protestaktionen von Schülern während der Unterrichtszeit kritisiert. Zugleich sprach er den Jugendlichen ausreichend Wissen beim Thema Klima ab. "Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen", sagte Lindner der "Bild am Sonntag" und fügte hinzu: "Das ist eine Sache für Profis."

Lindner plädierte dafür, die Proteste in die Freizeit zu verlegen. In der Unterrichtszeit sollten Schüler sich "lieber über physikalische und naturwissenschaftliche sowie technische und wirtschaftliche Zusammenhänge informieren".

*Datenschutz

Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, reagierte umgehend: "Die Klima-Profis sind klar auf Seiten der Schüler", twitterte er. "Die Schüler gehen auf die Straße, weil die Politiker trotz schöner Worte die Klimaziele verfehlen. Greta Thunberg versteht mehr vom knappen Emissionsbudget und den Kipppunkten des Klimas als Herr Lindner." Der Direktor des Instituts, Ottmar Edenhofer, sagte der "BamS", dass die protestierenden Schüler recht hätten: "Es ist dringend." Bis 2030 müsse die Klimawende geschafft werden, "sonst hat das Folgen für Jahrhunderte".

SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch warf Lindner einen Rückfall "in die Steinzeit" vor. Es sei keine zwei Jahre her, dass der FDP-Chef noch proklamiert habe, nicht Aktenkoffer, sondern Schulranzen würden die Welt verändern. "Wir erleben tagtäglich, dass die politisch Verantwortlichen weltweit noch zu wenig tun", so Miersch. Deshalb sei der Klima-Protest "richtig und notwendig". Bundesumweltministerin Svenja Schulze von der SPD bekräftigte in der "BamS", sie finde es gut, "dass diese angeblich so unpolitische Generation den Mund aufmacht und auf die Straße geht".

Streiks in 50 Ländern geplant

Jeden Freitag versammeln sich derzeit in zahlreichen Städten unter dem Motto "Fridays for Future" Schüler und Studenten während der Unterrichtszeit, um gegen ausbleibende Maßnahmen gegen den Klimawandel zu protestieren. Am kommenden Freitag sind internationale Schülerstreiks in mehr als 50 Ländern geplant. Die Demonstrationen sind zum Teil umstritten, da sie während der Schulzeit stattfinden.

So erklärte Bildungsministerin Anja Karliczek jüngst, sie lehne Schülerstreiks während der Unterrichtszeit ab. Ihre Parteikollegin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, bezeichnete die Demonstrationen kürzlich als "sehr gute Initiative". Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier forderte die Schüler auf, ihre Klimaschutz-Proteste in die Freizeit zu verlegen. Dies würde der Sache, für die die Schüler demonstrieren, "sicherlich noch einmal eine ganz neue Durchschlagkraft verleihen und ihr ernsthaftes Engagement unterlegen", sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post". Die Schüler wollten sich sicherlich nicht vorwerfen lassen, dass sie nur ihren Mathe-Stunden entkommen wollten.

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet Schülerstreiks in der Unterrichtszeit. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die "BamS" findet eine Mehrheit von 55 Prozent es richtig, dass die Schüler während der Schulzeit demonstrieren. 44 Prozent halten das für falsch. Gleichzeitig sagen 63 Prozent, dass Deutschland zu wenig tut, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Nur 22 Prozent finden, Deutschland tue genug.

Als 18-jähriger Schüler übrigens hatte Lindner, damals schon Firmengründer, kritisiert, dass man in der Schule die Zeit absitzen müsse. "Wenn man in der Schule sitzt, und man sitzt seine Zeit ab, weiß, dass man telefonieren, den Kunden besuchen oder Arbeit erledigen müsste, dann kommt man sich so vor, als sei die Zeit durch den Schredder gelaufen", sagte er 1997 in einem Beitrag für das Jugendmagazin "100 Grad". Er hob zugleich die Kompetenz hervor, "die nicht akademisch domestiziert ist", und sagte: "Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie an und handelt."

Quelle: n-tv.de, ghö/AFP