Politik

300.000 Corona-Tote in Brasilien Lula wirft Bolsonaro "Völkermord" vor

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Im November 2019 wurde Lula nach 18 Monaten aus der umstrittenen Haft entlassen.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Kürzlich überschreitet Brasilien die traurige Marke von 300.000 Corona-Toten. Angesichts der dramatischen Lage spricht Ex-Präsident Lula von einem Genozid, ausgelöst durch die Krisen-Politik von Staatschef Bolsonaro. Dieser gerät derweil aufgrund des Höchststands bei den täglichen Neuinfektionen weiter unter Druck.

Der frühere brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Folgen der Corona-Pandemie in seinem Land als "Völkermord" bezeichnet. "Am Dienstag sind in Brasilien 3158 Menschen an Covid gestorben, es ist der größte Genozid unserer Geschichte", sagte Lula dem "Spiegel". Dem amtierenden Präsidenten Jair Bolsonaro warf er vor, das Virus ein Jahr lang nicht ernst genommen und die Brasilianer angelogen zu haben.

"Wenn er ein bisschen Größe hätte, dann hätte er sich bei den Familien der 300.000 Covid-Toten und Millionen Infizierten entschuldigt. Er ist dafür verantwortlich", sagte Lula. "Brasilien hält es nicht länger aus, wenn dieser Mann so weiterregiert." Lula könnte Bolsonaro bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr herausfordern. Anfang März hatte ein Richter des Obersten Gerichts alle Korruptionsurteile gegen Lula für ungültig erklärt.

Am Dienstag erklärte der Oberste Gerichtshof des Landes zudem den Richter, der Lula 2017 wegen Korruption verurteilt hatte, für befangen. Im "Spiegel"-Interview fordert der Ex-Präsident Strafen gegen den Richter und die Staatsanwälte in dem Verfahren. "Es gab einen Pakt zwischen der Justiz und einigen Medien, um Präsidentin Dilma Rousseff ihres Amtes zu entheben und meine Kandidatur 2018 zu verhindern", sagte Lula.

Lula verbrachte 18 Monate in Haft, bevor er im November 2019 wieder auf freien Fuß kam - seine Anwälte hatten seine Freilassung nach einer Entscheidung des Obersten Gerichts beantragt, wonach Verurteilte erst nach Ausschöpfung aller Rechtsmittel inhaftiert werden können. Aufgrund seiner Verurteilung durfte Lula auch bei der Präsidentschaftswahl im Oktober 2018 nicht antreten. In den Umfragen hatte er zuvor stets in Führung gelegen.

Neuansteckungen auf Höchststand

Derweil hat die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in Brasilien einen neuen Höchststand von mehr als 100.000 Fällen erreicht. Binnen 24 Stunden seien 100.158 Ansteckungen nachgewiesen worden, teilte das brasilianische Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Damit stieg die Gesamtzahl der Corona-Infektionen in dem südamerikanischen Land auf 12,3 Millionen.

Mit 2777 weiteren Opfern innerhalb eines Tages hat Brasilien mittlerweile 303.462 Corona-Tote zu beklagen. Nur in den USA wurden noch mehr Infektionen und Todesfälle registriert. In Brasilien hat sich die Lage seit Februar verschärft. Zum einen halten viele Menschen die Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nicht ein, zum anderen ist die mittlerweile in Brasilien grassierende Virusvariante P1 offenbar deutlich ansteckender als der ursprüngliche Covid-19-Erreger.

Staatschef Bolsonaro stellte sich am Donnerstag in Online-Netzwerken erneut gegen die Lockdown-Maßnahmen. Der wegen seines Krisenmanagements unter Druck stehende rechtsextreme Präsident sprach sich kürzlich jedoch für eine Beschleunigung der Corona-Impfkampagne im Land aus, nachdem er die Wirksamkeit der Impfungen zuvor immer wieder infrage gestellt hatte.

Quelle: ntv.de, mdi/AFP

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