Politik

Kein zweites Ischgl Maas warnt vor Tourismus-Wettlauf

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Ob die Deutschen im Sommer österreichische Urlaubsidylle erleben können, ist noch völlig offen.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Österreichs Kanzler Kurz denkt laut darüber nach, die Grenzen zu bestimmten Nachbarländern wieder zu öffnen, auch Kroatien will sich die lukrative Sommersaison nicht entgehen lassen. Doch Außenminister Maas bremst eventuelle Anflüge von Urlaubs-Euphorie.

Bundesaußenminister Heiko Maas dämpft die Hoffnung auf eine baldige Öffnung von europäischen Reisezielen. "Ein europäischer Wettlauf darum, wer touristische Reisen zuerst wieder zulässt, führt zu unvertretbaren Risiken", sagte der SPD-Politiker der "Bild am Sonntag".

Er verwies dabei auf die hohe Ansteckungsrate im österreichischen Skiort Ischgl. "Was ein Infektionscluster in einem beliebten Urlaubsgebiet in den Heimatländern der Touristen anrichten kann, haben wir bereits erlebt. Das darf sich nicht wiederholen." Europa brauche gemeinsame Kriterien für einen Weg zurück zur Reisefreiheit - "so schnell wie möglich, aber so verantwortlich wie nötig", sagte Maas.

Auslöser für die Warnungen sind offenbar Pläne des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz, der die Grenze für Urlauber etwa aus Tschechien oder Deutschland schrittweise wieder öffnen will. "Wir dürfen uns die hart erkämpften Erfolge der letzten Wochen nicht kaputt machen", so Maas. Sonst werde es noch sehr viel länger Reisebeschränkungen geben.

Hilferuf der Reisebranche

Der Deutsche Reiseverband (DRV) warnt unterdessen vor einer Pleitewelle in der Touristikbranche. 60 Prozent der Reisebüros und Reiseveranstalter sehen sich unmittelbar von der Insolvenz bedroht, geht aus einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen hervor, die der "Bild am Sonntag" vorliegt. Jeder fünfte Betrieb hat demnach bereits Mitarbeiter entlassen, 80 Prozent haben staatliche Hilfen beantragt. "Wenn wir nicht bald spezifische Unterstützung der Bundesregierung erhalten, wird es die mittelständisch geprägte Reisewirtschaft mit ihren vielen kleinen Reiseveranstaltern und Reisebüros, so wie wir sie kennen, sehr bald nicht mehr geben", sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig. Schon jetzt seien mehr als 4,8 Mrd. Euro Umsatzausfälle zu beklagen, die Soforthilfen würden nicht ausreichen.

Quelle: ntv.de, ino/rts