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Als Multimillionär ins Parlament Macrons EU-Kandidat gibt Firmenanteile ab

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Breton wolle jeden Anschein von Interessenskonflikten vermeiden, hieß es aus seinem Umfeld.

(Foto: picture alliance/dpa)

Thierry Breton will EU-Kommissar für Industrie und Binnenmarkt werden. Das könnte für den Chef des französischen IT-Unternehmens Atos jedoch einen Interessenskonflikt bedeuten. Um den Anschein zu vermeiden, will sich der 64-Jährige nun von seinen Firmenanteilen trennen.

Der neue französische Kandidat für die EU-Kommission, Thierry Breton, hat zugesichert, sich bis zu seinem Amtsantritt von Aktien in Millionenwert zu trennen. Der bisherige Chef der IT-Unternehmens Atos werde alle Firmenanteile in seinem Besitz verkaufen, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Bretons Umfeld. Laut seinem bisherigen Arbeitgeber Atos hielt Breton Ende vergangenen Jahres 508.085 Anteile an dem Unternehmen. Sie hätten derzeit einen Marktwert von 34 Millionen Euro.

Der 64-jährige Ex-Wirtschaftsminister Breton ist Ersatzkandidat für die im Europaparlament gescheiterte Französin Sylvie Goulard. Die EU-Abgeordneten hatten sie wegen laufender Ermittlungen zu einer Affäre um Scheinbeschäftigung abgelehnt.

Frankreich erhebt trotz des Debakels weiter Anspruch auf das umfangreiche Ressort Industrie und Binnenmarkt, in dem finanzielle Verflechtungen mit Firmen besonders sensibel sind. Breton wolle jeden Anschein von Interessenkonflikten vermeiden, hieß es aus seinem Umfeld. Schon bei seinem Amtsantritt als Wirtschaftsminister 2005 habe er sich von allen Firmenanteilen getrennt.

Amtsantritt der EU-Exekutive verzögert sich

Neben den Atos-Aktien besaß Breton zum Ende 2018 auch 1501 Anteile an dem Bezahlservice Worldline, einer Atos-Filiale, im Wert von derzeit rund 84.000 Euro. Als Industriekommissar wäre Breton auch für Bereiche wie Cybersicherheit, künstliche Intelligenz und Supercomputer zuständig - alles Bereiche, in der auch sein bisheriger Arbeitgeber aktiv ist.

Die künftige EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Breton, ebenso wie den fehlenden Kandidaten für Ungarn, Oliver Varhelyi, nach Einzelgesprächen bereits akzeptiert und somit den Weg für die Befragungen im EU-Parlament geebnet. Beide hätten die notwendigen "Fähigkeiten und Kompetenzen", sagte eine Sprecherin. Da ein Kandidat aus Rumänien in den Parlamentsbefragungen abgelehnt worden ist, verzögert sich aber der Amtsantritt der neuen EU-Exekutive. Statt zum 1. November soll sie nun möglichst am 1. Dezember starten.

Ob dies gelingt, ist aber unklar. In Rumänien wechselt aber gerade die Regierung. Derzeit versucht der bisherige liberal-konservative Oppositionsführer Ludovic Orban, eine Regierung zu bilden. Für Montag ist dazu eine Abstimmung im rumänischen Parlament vorgesehen. Erst danach ist ein Vorschlag aus Bukarest zu erwarten. Von der Leyen habe in einem Brief an Rumänien nochmals "die Dringlichkeit" deutlich gemacht, einen Kommissar zu nominieren, sagte die Kommissionssprecherin weiter. Ansonsten hänge es nun vom Europaparlament ab, ob es bereits mit den Anhörungen Bretons und Varhelyis beginnen wolle.

Quelle: n-tv.de, lri/AFP