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Trotz der Not im eigenen Land Maduro schickt Hilfsgüter nach Kuba

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Arbeiten eng zusammen: Nicolas Maduro, Präsident von Venezuela (links), und Kubas Staatschef Miguel Diaz-Canel.

picture alliance / Marcelo Garci

Kuba zählt zu den engsten Verbündeten Venezuelas. Machthaber Maduro sendet daher nach einem verheerenden Tornado ohne zu zögern Güter an den Inselstaat. Ähnliche Hilfen aus dem Ausland lässt er für sein eigenes Land indes nicht zu - obwohl extremer Mangel herrscht.

Trotz der Krise im eigenen Land hat Venezuela eine Hilfslieferung nach Kuba geschickt. Ein Schiff mit hundert Tonnen Baumaterial und Maschinen für den Wiederaufbau nach einem Tornado vor gut einer Woche lief im Hafen von Havanna ein, wie die venezolanische Botschaft in Kuba auf Twitter mitteilte. Der kubanische Vizeminister für Außenhandel, Antonio Carricar, habe nach der Ankunft der Lieferung Venezuela "die Solidarität Kubas" zugesichert.

Kuba ist der engste Verbündete Venezuelas. Auf der Insel waren bei einem Tornado Ende Januar sechs Menschen getötet und rund 200 weitere verletzt worden. Venezuela befindet sich derzeit sowohl in einer schweren politischen als auch in einer wirtschaftlichen Krise.

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Es herrscht ein extremer Mangel an Nahrungsmitteln und Medikamenten. Präsident Nicolás Maduro sperrt sich allerdings gegen Hilfen aus den USA, weil er eine militärische Intervention befürchtet. "Venezuela wird diese Show der falschen humanitären Hilfe nicht zulassen, denn wir sind keine Bettler", sagte der Staatschef. "Das ist keine Hilfe, das ist eine Demütigung des Volkes. Von außen sieht das Paket sehr schön aus, aber im Inneren ist Gift."

Zuvor waren die ersten Lieferungen in die kolumbianische Grenzstadt Cúcuta gebracht worden. Zehn Lastwagen mit rund 100 Tonnen Lebensmitteln, Medizin sowie Hygieneartikel trafen in einem Lager nahe der Tienditas-Brücke ein, wie der kolumbianische Katastrophenschutz (UNGRD) mitteilte. Die Brücke wurde allerdings schon vor Tagen von der venezolanischen Regierung blockiert.

"Es ist ein makabres Spiel"

Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Juan Guaidó will die über die US-Entwicklungsbehörde USAID zur Verfügung gestellte Hilfe nach Venezuela schaffen lassen. Weitere Lieferungen sollen im ebenfalls benachbarten Brasilien sowie auf einer Karibikinsel - laut Medienberichten ist es Puerto Rico - zum Transport in das südamerikanische Krisenland bereitgestellt werden. "Ich rufe die Soldaten der Streitkräfte dazu auf, kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen und die humanitäre Hilfe durchzulassen", sagte Guaidó.

Maduro macht für die wirtschaftlichen Probleme seines Landes die US-Sanktionen gegen seine Regierung verantwortlich. "Gebt das blockierte Geld frei. Es ist ein makabres Spiel: Wir schnüren ihnen die Kehle zu und zwingen sie, um Krümel zu betteln", sagte er. Tatsächlich fehlt es in dem Erdölstaat am Nötigsten. Wegen Devisenmangels kann das einst reiche Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs importieren.

Viele Menschen hungern, und rund drei Millionen Venezolaner sind vor dem Elend in ihrer Heimat bereits ins Ausland geflohen. "Wenn Maduro die Hilfslieferungen nicht durchlässt, werden wir Venezolaner sie mit Gewalt rüberschaffen", sagte die Venezolanerin Elsy Olarte in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta dem Fernsehsender Caracol. "Wir tun uns alle zusammen und sorgen dafür, dass diese Medikamente, Kleider und Lebensmittel nach Venezuela kommen."

Soldaten stehen vor einem Dilemma

Maduro will einen Brief "an das amerikanische Volk" an das Weiße Haus schicken. "In diesen Tagen entscheidet sich die Zukunft unserer Länder zwischen Krieg und Frieden", heißt es in dem Schreiben, für das er nach eigenen Angaben Millionen Unterschriften seiner Landsleute gesammelt hat. Bereits vor Tagen hatten die venezolanischen Behörden die Tienditas- Autobahnbrücke mit dem Auflieger eines Tanklastzugs und zwei Containern gesperrt.

Um die Hilfsgüter nach Venezuela zu schaffen, braucht die Gegenregierung um Guaidó die Unterstützung der Streitkräfte, die die Grenze kontrollieren. Allerdings stehen die mächtigen Militärs bislang noch an der Seite Maduros. Viele Generäle besetzen wichtige Posten in der Wirtschaft, einige sollen auch in kriminelle Geschäfte verwickelt sein. Das bindet sie an Maduro. "Maduro kauft ihre Loyalität", sagte der Kommandeur des Süd-Kommandos der US-Streitkräfte, Craig Faller, zuletzt bei einer Anhörung vor einem Ausschuss des Senats. "Die Mannschaftsdienstgrade hungern, genauso wie das Volk."

Allerdings werden die unteren Ränge streng kontrolliert, offenbar auch mit Hilfe des kubanischen Geheimdienstes. Rund 180 Militärs sitzen wegen politischer Vergehen in Haft. Angesichts der Not der Bevölkerung und des internationalen Drucks stehen die Soldaten nun vor einem Dilemma. Stoppen sie die Hilfslieferungen, verspielen sie ihren Rückhalt unter den Venezolanern. Lassen sie die Güter aber passieren, verweigern sie damit einen direkten Befehl von Präsident Maduro.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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