Politik

Aus Angst vor Aerosolen Mallorca erteilt Sprechverbot in Bus und Bahn

Angesichts steigender Infektionszahlen sollen Fahrgäste auf Mallorca lieber schweigen.

Angesichts steigender Infektionszahlen sollen Fahrgäste auf Mallorca lieber schweigen.

(Foto: dpa)

Die Balearen galten mal als Vorbild bei der Eindämmung der Corona-Pandemie. Nun weisen Mallorca und Co. fast die höchsten Infektionszahlen in ganz Spanien auf. Die Regionalregierung tritt nun mit deutlichen Einschränkungen auf die Bremse.

Zur Eindämmung von Corona-Infektionen sollen Fahrgäste in Bussen und Bahnen auf Mallorca und den anderen beliebten Ferieninseln der Balearen möglichst den Mund halten. Das sei eine der Maßnahmen, an die sich die Menschen nach dem Willen der Regionalregierung ab Mittwoch halten sollten, schrieb die deutschsprachige "Mallorca-Zeitung". So soll die Ansteckungen über die beim Sprechen freigesetzten Aerosolpartikel mit Viren vermieden werden.

Wie die Anordnung kontrolliert werden soll, blieb indes unklar. "Die Balearen-Regierung schaltet in den Panik-Modus", kommentierte die "Mallorca-Zeitung" die derzeitige Situation weiter. Die Corona-Zahlen auf den auch bei Deutschen beliebten Urlaubsinseln, zu denen neben Mallorca unter anderem auch Menorca, Ibiza und Formentera gehören, steigen seit Dezember stark an.

Angesichts dessen hatten die Behörden ab Mittwoch auch Treffen im privaten Kreis mit Personen, die nicht im eigenen Haushalt leben, weitgehend verboten. Außerdem ordneten sie die Schließung aller Restaurants, Bars, Einkaufszentren und Fitnessstudios an.

Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen lag heute nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Madrid bei knapp 310. Das ist fast so hoch wie in dem in Deutschland besonders betroffenen Bundesland Thüringen und wesentlich höher als im Durchschnitt Spaniens, wo dieser Wert bei knapp 245 liegt.

Prekäre Lage in mallorquinischen Krankenhäusern

Die Lage in den Krankenhäusern ist entsprechend prekär. Im Landeskrankenhaus auf Mallorca seien in der Erwachsenenabteilung wegen der vielen Corona-Patienten nur noch fünf Betten frei, schrieb die Zeitung. Notfalls müssten neue Patienten auf die Kinderstation, wo es noch 20 freie Betten gebe.

Die Demonstranten auf Mallorca protestieren gegen die Corona-Einschränkungen vor dem Consolat de Mar, dem Sitz der Regierung der Balearen.

Die Demonstranten auf Mallorca protestieren gegen die Corona-Einschränkungen vor dem Consolat de Mar, dem Sitz der Regierung der Balearen.

(Foto: dpa)

Unterdessen wird der Unmut in der Gastronomiebranche immer lauter. Eine für Dienstag geplante Demonstration von Restaurantbetreibern vor dem Sitz der Landesregierung wurde zwar mit der Begründung verboten, es drohten Ansteckungen unter den Teilnehmern. Aber rund 500 Menschen missachteten das Verbot und demonstrierten trotzdem. Unter dem Motto "Si el pueblo no trabaja, tú no cobras"" (Wenn das Volk nicht arbeitet, bekommst du kein Gehalt) richteten sie sich direkt an die verantwortlichen Politiker.

Auch viele Kinos und Konzertsäle, die nur noch 30 Prozent der normalerweise zur Verfügung stehenden Plätze belegen dürfen, zogen es vor, vorübergehend zu schließen. Schon seit langem gelten nächtliche Ausgangsbeschränkungen von 22 Uhr bis 06 Uhr.

Im Sommer galten Balearen als Vorbild

Noch im Juni, am Ende der ersten Corona-Welle, galten die Balearen als vorbildlich bei der Bekämpfung der Pandemie. Hier durften die ersten "Test-Urlauber" aus Deutschland sogar schon vor dem offiziellen Ende des damaligen Lockdowns in Spanien wieder einreisen.

Warum die Lage inzwischen so außer Kontrolle geraten ist, lässt sich nicht einfach erklären. Es gebe zwar viele Vorschriften, die aber teils nur lasch umgesetzt würden, schrieb etwa die Zeitung "El Confidencial" schon im Dezember, als die Kurve der Neuinfektionen wieder steil nach oben zeigte. Auch könnten mangelnde Vorsichtsmaßnahmen während mehrerer hintereinander liegender Feiertage Anfang Dezember Auslöser für die neue Ausbreitung des Virus sein, weil es damals noch keine Testpflicht für Besucher der Insel gab.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa

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