Politik

CDU-Politiker über Hackerangriff "Man fühlt sich hilflos"

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Politiker nutzen für private und berufliche Kommunikation nicht selten das selbe Smartphone.

(Foto: picture alliance / Michael Kappe)

Andreas Mattfeldt ist einer von Hunderten Politikern, deren persönliche Daten gestohlen und im Netz verbreitet wurden - darunter Fotos seiner Töchter. Zum Gefühl der Verunsicherung kommt bei dem CDU-Abgeordneten der Ärger über den Umgang der Fraktionsspitze mit dem Leak.

Seit zehn Jahren sitzt Andreas Mattfeldt für die CDU im Bundestag. Der 49-Jährige ist Haushaltspolitiker, war jahrelang Bürgermeister von Langwedel in Niedersachsen. Mattfeldt hat eine Frau und zwei Töchter. Durch die Medien erfährt er am frühen Freitagmorgen, dass Privatfotos von den beiden Mädchen im Netz kursieren. Der Politiker hatte sie einst selbst in seiner privaten Facebook-Chronik geteilt, ebenso etliche andere Bilder und Erinnerungen. Nun sind viele dieser persönlichen Daten für jeden zugänglich: sogar die Handynummer seines Vaters. Oder Adressen von Freunden. "Das ist alles nichts Dramatisches", sagt er n-tv.de, "trotzdem fühlt man sich hilflos. Ich weiß ja nicht, wo die Sicherheitslücke ist."

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Andreas Mattfeldt sitzt für die CDU im Bundestag und wurde ebenfalls Opfer des Hackerangriffs.

(Foto: Büro Andreas Mattfeldt/ Fotograf: Tobias Koch)

Über mehrere Wochen haben Hacker - von den deutschen Sicherheitsbehörden unbemerkt - die persönlichen Daten von Hunderten Politikern, Künstlern und Journalisten abgegriffen und im Internet verbreitet. Das gestohlene Material umfasst nicht nur private Handynummern, Adressen, Familienfotos, Personalausweiskopien und Kontoauszüge. Auch Chatprotokolle sind darunter - teilweise mit sehr persönlichem Inhalt. Verbreitet wurden die Datenpakete bereits vor Weihnachten über einen Twitteraccount mit dem Namen "G0d". Weder das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) noch der Verfassungsschutz nahmen davon Notiz, obwohl es bereits vergangene Woche erste Hinweise darauf gegeben hatte.

Mehrere Abgeordnete sollen demnach über gehackte Facebook-Konten berichtet haben. Auch der Chaos Computer Club versuchte offenbar, auf "G0d" aufmerksam zu machen. Doch das ganze Ausmaß der Attacke zeigte sich erst am späten Donnerstag. "Seit dem gestrigen Abend ist die Führung der SPD-Bundestagsfraktion über einen massiven Datendiebstahl informiert", erklärte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Carsten Schneider am Freitagvormittag. Allein bei den Sozialdemokraten hat es 294 Abgeordnete und Mandatsträger auf Bundes-, Landes- oder EU-Ebene getroffen. In der CDU/CSU sind es sogar 405; und einer von ihnen ist Mattfeldt. Er ärgert sich besonders darüber, dass er von der Fraktionsspitze viel zu spät und erst auf Nachfrage informiert wurde.

"Kommunikation war Katastrophe"

Um kurz vor neun Uhr habe er eine "Brandmail" an den Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus geschickt; mit der dringenden Bitte um Aufklärung und "mit fünf Ausrufezeichen", sagt er. Zwar sei er umgehend zurückgerufen worden. Aber eine erste Informationsmail an die gesamte Unionsfraktion habe erst um 10:05 Uhr in seinem Postfach gelegen. "Die Kommunikation war in diesem Fall eine Katastrophe", schimpft der Familienvater. Einen Vorwurf will er den Fraktionskollegen dennoch nur bedingt machen. Immerhin gelang den Hackern das Abgreifen der Daten offenbar nicht - wie beim "Fancy Bear"-Skandal 2015 - über ein Sicherheitsleck im Regierungsnetz, sondern über die privaten Mail- und Social-Media-Konten der Abgeordneten.

Dass er selbst zum Opfer des Hackerangriffs geworden ist, kann sich Mattfeldt gerade deshalb nicht erklären. "Ich habe jetzt schon hohe Sicherheitsstandards", sagt er. "Mein Passwort bei Facebook ändere ich ständig." Entsprechend schwer fällt es ihm, die richtigen Konsequenzen aus dem Leak zu ziehen. "Ich wüsste nicht, was ich anders machen sollte." Vor allem Politiker könnten auf soziale Netzwerke heutzutage nicht mehr verzichten, sagt er, und müssten Präsenz zeigen. "Das erwarten die Menschen auch." IT-Experte Jan Bindig rät Politikern im Interview mit n-tv.de dennoch dazu, Berufliches von Privatem strikt zu trennen. "Gerade wenn ich etwa als Abgeordneter oder Spitzenpolitiker nur ein Telefon habe." Passwörter mehrmals zu verwenden, sei einer von mehreren Kardinalfehlern.

Noch ist völlig unklar, was die Hacker mit dem Datendiebstahl bezwecken. Dass persönliche Informationen von Abgeordneten aller Bundestagsparteien mit Ausnahme der AfD gestohlen wurden, legt eine politische Motivation zumindest nahe. Darauf deuten auch vereinzelte Notizen hin, die zu den Leaks gemacht wurden. So soll einer der Datensätze mit dem Begriff "Parteienkartell" kommentiert worden sein, eine vor allem in Anti-Establishment-Kreisen beliebte Formulierung. Dass es sich um einen gezielten politischen Einschüchterungsversuch handelt, ist laut Sicherheitsexperte Jan Bindig grundsätzlich denkbar.

"Vielleicht sollen die Daten vor allem gewissen Kreisen dienlich sein", vermutet auch Mattfeldt. Seine Präsenz im Netz will er dennoch nicht einschränken. Denn, sagt er, "die Alternative wäre der Brief".

Quelle: n-tv.de

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