Marines auf Weg in Richtung IranTrump könnte mit Bodentruppen auf Insel-Taktik setzen

Die Straße von Hormus ist das Nadelöhr des weltweiten Ölmarkts - und damit des Iran-Kriegs. Setzt Trump nun Bodentruppen ein? Eine vielseitige Einheit mit Tausenden Marines ist auf einem Mini-Flugzeugträger bereits auf dem Weg.
So viel vorweg: Es ist unbekannt, ob und was US-Präsident Donald Trump vorhat. Er hat im Iran-Krieg nie etwas ausgeschlossen und vollführt seit dem Beginn der Angriffe einen äußert agilen Flip-Flop von Begründungen, Absichten und Zeitplänen. Doch nun steht er vor einer schicksalsschweren Entscheidung: Betreten US-Soldaten iranischen Boden? Ausgeschlossen hat Trump es nie.
Er möchte laut "Wall Street Journal" von seinem Team wissen, wie er die Straße von Hormus wieder frei befahrbar machen kann; deren Blockade durch den Iran drücken die weltweiten Ölpreise und die Treibstoffkosten in den USA in die Höhe. Eine mögliche Gegenmaßnahme wäre demnach ein Bodentruppeneinsatz auf einer oder mehreren iranischen Inseln im Persischen Golf. Die Anlandung könnte laut US-Regierungsmitarbeitern und Ex-US-Offizieren Gegenangriffe ermöglichen und Druck auf die iranische Führung ausüben, die Fahrt durch die Meerenge zu erlauben.
Soldaten und Flugzeuge schon auf dem Weg
Eine Schnelleingreiftruppe von 2200 Marines ist dem Bericht zufolge auf dem Weg ins Kriegsgebiet und soll nächste Woche ankommen. Es ist unklar, ob die Einheit einen Auftrag hat oder welchen. In den sozialen Medien der im japanischen Okinawa stationierten Einheit "31st Marine Expeditionary Unit" sind Fotos einer Kampfübung in den Philippinen von vor drei Tagen zu sehen - auf dem amphibischen Landungsschiff USS New Orleans. Dies hat sich seither in Richtung Iran bewegt.
Laut "Wall Street Journal" befinden sich die Soldaten auf der USS Tripoli, einem Multifunktionslandungsschiff, das wie ein geschrumpfter Flugzeugträger aussieht. Eine solche "Expeditionary Unit" der Marine ist selbstversorgend, da sie Schiffe als ihre Einsatzbasis nutzt. Neben den Soldaten gehören dazu auch Panzerfahrzeuge und Artillerie, Hubschrauber und Kampfflugzeuge, eine Kommandoeinheit zur Koordination sowie eine für Wartung und Versorgung. Sie sind auf schnelle, eigenständige Einsätze auf See und an Land spezialisiert.
Nun ist die Frage: Was befiehlt Trump dieser vielseitig einsetzbaren Einheit? Vor der südlichen Küste des Iran liegen eine ganze Reihe Inseln, die Staatsgebiet der Islamischen Republik sind. Die wirtschaftlich bedeutendste dieser Inseln ist Charg, die am nördlichen Ende des Golfs liegt - weit entfernt von der Straße von Hormus. US-Streitkräfte griffen militärische Anlagen auf der Insel in der vergangenen Woche an. Würden US-Streitkräfte Charg besetzen, wäre das ein harter wirtschaftlicher Schlag für den Iran. Das Pentagon könnte die Insel als Faustpfand nutzen, um Zugeständnisse der iranischen Führung zu erzwingen.
Zwei wichtige Inseln im Fokus
Auf Charg würden 90 Prozent des iranischen Öls umgeschlagen, wird der Ex-US-General Frank McKenzie vom "Wall Street Journal" zitiert, der früher das für die Region verantwortliche Zentralkommando befehligte: "Man kann die Ölinfrastruktur zerstören, was der iranischen Wirtschaft und der Weltwirtschaft irreparablen Schaden zufügen würde, oder man kann sie beschlagnahmen und als Verhandlungsmasse einsetzen, was die Weltwirtschaft nicht dauerhaft schwächt."
Ein weiteres potenzielles Ziel abseits des iranischen Festlandes wäre laut Bericht die Insel Qeshm, die sich direkt an der Mündung der Hormus-Meerenge befindet. Dort befinden sich laut Medienberichten unterirdische "Raketenstädte", liegen iranische Kriegsschiffe, sowie eine Entsalzungsanlage. Teheran kontrolliert mit der strategisch wichtig gelegenen Insel den Schiffsverkehr in die und aus der Meerenge heraus. Sie ist rund 1500 Quadratkilometer groß, 148.000 Menschen leben auf Qeshm.
Die iranische Führung zeigte sich am Dienstag felsenfest von seiner Verteidigungsfähigkeit überzeugt. Der stellvertretende Außenminister Saeed Khatibzadeh sagte bei "Sky News" zu einem möglichen Bodentruppeneinsatz auf der Ölinsel Charg oder anderswo im Iran, die USA seien "machtbesoffen". Auf die Frage, was der Iran dann tun werde, meinte er schlicht: "Lesen Sie nach, was in Vietnam geschehen ist." Am Mittwoch wollte ein Reporter im Weißen Haus von Trump wissen, was er dazu sage. "Ich habe vor gar nichts Angst", meinte der Präsident.