Politik

Witze über "Bavaria One" Markus Söder schießt Bayern ins All

Bayerns Ministerpräsident will - wenige Tage vor der Wahl - sein Bundesland bei der Luft- und Raumfahrt wieder nach vorne bringen. Doch mit dem Programm "Bavaria One" begeistert "Sternen-Södi" nicht alle seiner Landsleute.

Wenige Tage vor der Landtagswahl in Bayern zieht Ministerpräsident Markus Söder Spott auf sich: Im Kabinett brachte seine Regierung am Dienstag das bereits im Frühjahr angekündigte bayerische Raumfahrtprogramm auf den Weg. Bei Twitter verkündete Söder: "Wir starten Bavaria One." Außerdem zeigte er dort ein Bild von sich neben einem "Bavaria One"-Logo: Das runde Signet ziert sein Konterfei, gerahmt von Sternen und garniert mit dem Spruch "Mission Zukunft" - offensichtlich ein Wahlkampfgag, der jedoch viele Menschen an eine mit Photoshop bearbeitete Satire glauben lässt.

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Das 700 Millionen Euro schwere Projekt soll den bayerischen Satelliten "Bayern Sat" sowie die "größte Raumfahrtfakultät Europas" an der TU München hervorbringen. Bei München soll zudem eine 400 Meter lange Hyperloop-Teststrecke entstehen. Söder kündigte an, Bayern werde "aus dem All Lösungen für Probleme der Menschen, bei Medizin oder Ökologie" entwickeln.

Mit Blick auf Söder neben dem "Bavaria One"-Logo mutmaßte ein Nutzer, das Satire-Portal "Der Postillon" habe Söders Account geknackt. Andere beklagten eine falsche Prioritätensetzung der bayerischen Landesregierung: "Sternen-Södi, wie schaut es denn jetzt eigentlich aus mit der Obdachlosenhilfe, oder hat da jemand kackfrech den @Pontifex_de angelogen?"

Ähnlich kommentierte der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert: "Worin Sie währenddessen nicht investieren: Bezahlbare Wohnungen, gebührenfreie Kitas, unbefristete Jobs für angestellte Lehrkräfte und vieles mehr. Vielleicht muss man wirklich hinterm Mond leben, um Prioritäten so zu setzen."

Der Vorsitzende der Freien Wähler im Landtag, Hubert Aiwanger zweifelte den Nutzen des Programms ebenfalls an: Es müsse eigentlich den Namen "Bavaria Größenwahn" tragen. Söder solle erst einmal die naheliegenden technischen Probleme wie Funklöcher und fehlendes flächendeckendes Internet lösen. Söder sehe sich offenbar "in der Rolle des Mr. Spock und ernennt seinen Wirtschaftsminister allen Ernstes zum 'Raumfahrtkoordinator'." Das sei "lachhaft".

SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen formulierte ihre Kritik zurückhaltender. Sie bezeichnete die Förderung des Luft- und Raumfahrtstandorts als grundsätzlich richtig. "Bavaria One" sei jedoch lediglich eine "großspurige Ankündigung", die versprochenen 700 Millionen Euro seien nicht im Nachtragshaushalt aufgeführt. Auch Kohnen betrachtet zudem Verbesserungen bei Nahverkehr und Netzabdeckung als wichtiger als ein Raumfahrtprogramm.

Söder selbst spottete über seine Kritiker. Wer immer nur auf Schlaglöcher starre, könnte irgendwann gegen einen Baum laufen. Das von Franz Josef Strauß einst angestoßene Engagement des Freistaats bei der Luft- und Raumfahrt habe Bayern "extremen wirtschaftlichen Nutzen" gebracht. Leider sei Bayern auf diesem Feld in den letzten Jahren "etwas ins Hintertreffen" geraten. Es gehe nicht darum "Star Trek" zu machen. "Wir werden einen praktischen Nutzen haben, der noch gar nicht absehbar ist", sagte Söder.

Quelle: ntv.de, jog