Politik

Angriff "sehr wahrscheinlich" May befürchtet weitere Anschläge

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(Foto: REUTERS)

Drei Anschläge in weniger als drei Monaten, Großbritannien steht offenbar im Fadenkreuz des Terrors. Daran wird sich auch weiterhin nichts ändern, ist Premierministerin May überzeugt. Damit ist der Terror als zentrales Wahlkampfthema gesetzt.

Die britische Premierministerin Theresa May befürchtet einen weiteren Terroranschlag in Großbritannien. Die Behörden schätzten die Gefahr für die nationale Sicherheit weiterhin als "schwerwiegend" ein, sagte May nach einem weiteren Krisentreffen mit Vertretern der wichtigen Sicherheitsbehörden in London. "Das bedeutet, dass ein terroristischer Angriff sehr wahrscheinlich ist."

May verurteilte den Terroranschlag vom Samstagabend als Attacke auf die freie Welt. "Das war ein Angriff auf London und auf das Vereinigte Königreich. Aber es war auch ein Angriff auf die freie Welt." Es sei nun klar, dass es Opfer verschiedener Nationalitäten gebe. May bestätigte zudem, dass die Identitäten der mutmaßlichen Attentäter der Polizei bekannt seien. Die Regierungschefin lobte erneut die Polizisten und Rettungskräfte für ihren "außerordentlichen Heldenmut".

May demonstrierte eine harte Haltung. Sie unterstütze die "Shoot to Kill"-Linie der Polizei, also gezielte Schüsse in Tötungsabsicht auf Angreifer, sagte May. "Die Polizisten haben innerhalb von acht Minuten die drei Angreifer erschossen und dies hat unzählige Menschenleben gerettet." May betonte: "Wir werden den Terroristen nicht erlauben, dass sie uns besiegen. Wir werden sie besiegen." Das Unterhaus wird an diesem Donnerstag neu gewählt.

Herausforderer Jeremy Corbyn von der oppositionellen Labour-Partei forderte May dagegen zum Rücktritt auf. Er verwies darauf, dass May in ihrer Zeit als Innenministerin mitverantwortlich dafür gewesen sei, dass es heute 20.000 weniger Polizisten gebe als 2010. Später ruderte Corbyn aber zurück und betonte, die Wahl sei eine gute Gelegenheit, um May loszuwerden.

"Neue Realität"

Auch die Londoner Polizeichefin Cressida Dick bezeichnete die Terror-Bedrohung als "neue Realität". "Das waren wirklich ein paar grauenhafte Wochen", sagte Dick der BBC mit Blick auf die Attacken in Manchester und London. "Wir werden uns ändern und an das gewöhnen, was scheinbar für uns zu einer neuen Realität geworden ist."

Die nötigen Ressourcen zur Terrorbekämpfung seien vorhanden, sagte die Polizeichefin. "Seit 2013 haben wir, glaube ich, 18 geplante Anschläge vereitelt." Im Schnitt werde täglich ein Mensch im Kampf gegen den Terror verhaftet, und die Geheimdienste seien sehr effizient. "Wir tun alles, was in unserer Macht steht." Jetzt gehe es zunächst darum, die Bevölkerung in London und landesweit zu schützen, sagte Dick. Dazu werde die Polizeipräsenz unter anderem auf den Straßen und bei öffentlichen Veranstaltungen erhöht.

Mehr Zusammenarbeit, weniger Toleranz

Am Sonntag hatte May bereits eine härtere Gangart im Anti-Terror-Kampf angekündigt. "Jetzt reicht's", sagte die Regierungschefin in einer ersten Stellungnahme nach dem Anschlag. Wenige Tage vor der Parlamentswahl stellte sie einen Vier-Punkte-Plan vor, der sich auch gegen den radikalen Islamismus richtet. "Wir können und wir dürfen nicht so tun, als ob alles einfach so weitergehen könnte. Etwas muss sich ändern", so May.

"Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten." Mit dem Begriff "öffentlicher Dienst" spricht May vermutlich das Schulwesen an. Es gebe "viel zu viel Toleranz für Extremismus in unserem Land", sagte sie. May drang zugleich auf eine bessere Überwachung und Regulierung des Internets und von Messenger-Diensten. Extremisten dürften dort keine Rückzugsorte mehr finden. Sie betonte, dafür brauche es internationale Vereinbarungen.

Quelle: ntv.de, sba/dpa