Politik

Auf der Flucht vor Erdogan Mehr Türken erhalten Asyl in Deutschland

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Die Zahl der Asylsuchenden aus der Türkei steigt, die Anerkennungsquote auch.

(Foto: picture alliance / Andreas Arnol)

Seit dem Putschversuch im Sommer 2016 herrscht in der Türkei der Ausnahmezustand. Zahlreiche türkische Staatsbürger flüchten angesichts politischer "Säuberungen" und massenhafter Inhaftierungen. In Deutschland finden sie inzwischen häufiger Asyl.

Asylanträge von Türken in Deutschland haben derzeit deutlich bessere Aussichten auf Erfolg als noch vor einem Jahr. Die Anerkennungsquote für Asylanträge türkischer Staatsbürger sei im Januar auf 38,2 Prozent gestiegen, heißt es einem Bericht der Funke Mediengruppe zufolge in einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken.

Im Januar 2017 hatte die sogenannte Gesamtschutzquote demnach nur bei 6,4 Prozent gelegen, im Juli 2017 waren es dann schon 22 Prozent. Insgesamt sei im Januar 2018 über 1074 Asylanträge entschieden worden, in 410 Fällen sei dem Antrag stattgegeben worden.

Die Vizevorsitzende der Linksfraktion, Sevim Dagdelen, sagte den Funke-Zeitungen zu dieser Entwicklung: "Die hohe Schutzquote zeigt einmal mehr, dass die Türkei weder rechtsstaatlich noch demokratisch ist." Dagdelen übte scharfe Kritik an der Türkei-Politik der Bundesregierung: Es sei "politisch absolut unverantwortlich", weitere Waffenlieferungen an die Türkei zu genehmigen. So würden neue Fluchtursachen geschaffen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte nach der Niederschlagung des Putschversuchs im Juli 2016 den Ausnahmezustand verhängt und "Säuberungen" ausgerufen. Mehr als 50.000 Menschen wurden seitdem in der Türkei inhaftiert, mehr als 150.000 Staatsbedienstete wurden suspendiert oder entlassen.

Vor diesem Hintergrund stieg die Zahl der Asylbewerber aus der Türkei in Deutschland deutlich an. Die Europäische Union äußerte sich wiederholt besorgt über die Menschenrechtslage und kritisierte, das Land entferne sich von der Rechtsstaatlichkeit. Die Regierung in Ankara wies diese Vorwürfe immer wieder zurück.

Quelle: n-tv.de, fhe/dpa/AFP