Politik

Explosionen erschüttern Lokale Mehrere Tote bei Wahlen in Kabul

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Die Taliban wollen die Wahlen verhindern.

(Foto: REUTERS)

Die immer wieder verschobenen Parlamentswahlen in Afghanistan finden unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Trotzdem werden in Kabul Wahllokale angegriffen. Dabei sterben mehrere Menschen. Dutzende werden verletzt.

Am Tag der Parlamentswahl sind in Afghanistan nach Behördenangaben mindestens 13 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden. Dies geht aus einer Bilanz des afghanischen Gesundheitsministeriums über Gewalttaten in Zusammenhang mit der Wahl hervor.

Die meisten Opfer gab es demnach in der Hauptstadt Kabul. Dort hat es in mehreren Wahllokalen Explosionen gegeben. Dutzende Menschen wurden verletzt. Mindestens 30 Menschen seien in das Krankenhaus der italienischen Nichtregierungsorganisation Emergency in der afghanischen Hauptstadt eingeliefert worden, teilte die Organisation auf Twitter mit. Auch ein totes Kind sei in das Krankenhaus gebracht worden.

Wähler flohen nach einer Explosion aus einer Schule im Norden der Stadt, in der sie ihre Stimme für die mehrmals verschobene Parlamentswahl abgeben wollten, berichtete ein Reporter vor Ort. Auch aus anderen Teilen Afghanistans wurden Angriffe gemeldet. In mehreren Provinzen sollen Bomben bei Wahllokalen explodiert sein. Auf die nördliche Stadt Kundus wurden nach Polizeiangaben drei Raketen abgefeuert.

In dem Land hatten am Morgen Parlamentswahlen begonnen. Rund neun Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, über gut 2500 Kandidaten zu entscheiden, die sich um 249 Sitze im Parlament bewerben. Die radikal-islamischen Taliban, die ein Drittel des Landes kontrollieren, haben zum Boykott der Abstimmung aufgerufen und Anschläge auf Wahllokale angedroht.

Lokale Medien und Parlamentskandidaten berichteten, dass einige Wahllokale auch mehr als zwei Stunden nach dem offiziellen Beginn der Parlamentswahl immer noch nicht geöffnet hatten. Offenbar erschien auch das Wahlpersonal in manchen Stationen nicht. Offizieller Start der unter hohen Sicherheitsvorkehrungen stattfindenden Wahl war um 07.00 Uhr Ortszeit (04.30 MESZ). Die Wahl endet um offiziell 16.00 Uhr (13.30 MESZ). Nach Angaben der Wahlkommission sollen aber Wahllokale, die die für die Abstimmung nötigen Materialien erst am Vormittag erhalten hätten, am Abend vier Stunden länger geöffnet bleiben. Wahllokale, die erst nach 13.00 Uhr Ortszeit beliefert würden, sollen auch am Sonntag öffnen.

Chaos in Wahllokalen

Nach Angaben der Kandidatin für die Provinz Kabul, Mariam Suleimancheil, waren im Kabuler Stadtteil Dehsabs bei einem Wahllokal zwar die Wahlbeobachter pünktlich vor Ort, nicht aber das Wahlpersonal. Sie veröffentlichte über Twitter Bilder, die Wahlurnen auf dem Boden zeigten. "Niemand weiß, was mit dieser Wahlstation ist - totales Chaos", schrieb sie.

Ähnliches berichtete die Kandidatin Saleha Soadat aus Westkabul. In jenen Wahlzentren, die geöffnet seien, würden die Geräte zur biometrischen Wählererfassung nicht funktionieren. Lokale Medien berichteten, Menschen würden vor mehreren Wahlstationen protestieren, während andere diese verärgert verließen.

Die Parlamentswahl wird mit mehr als drei Jahren Verspätung abgehalten. In der strategisch wichtigen Provinz Kandahar im Süden des Landes wurde die Wahl nach dem Anschlag auf den dortigen Polizeichef um eine Woche verschoben. Zunächst war eine landesweite Aussetzung befürchtet worden, die Wahlkommission sträubte sich aber dagegen. Sie fürchtete einen schweren Rückschlag für die Demokratisierung Afghanistans, das seit 17 Jahren unter Krieg leidet.

Die Parlamentswahl ist auch ein Probelauf für die im April geplante Präsidentenwahl und ein Test, ob die vom Westen gestützte Regierung in Kabul die Sicherheit gewährleisten kann. Tausende Polizisten und Soldaten sind im ganzen Land im Einsatz. Aus Sicherheitsgründen werden nur 5100 der ursprünglich geplanten 7355 Wahllokale geöffnet. Die UN haben sich besorgt gezeigt über Drohungen der Taliban, Schulen und andere als Wahllokale genutzte Gebäude anzugreifen. Die Extremisten hatten erklärt, die Wahl sei dem Land von außen aufgezwungen worden und widerspreche dem Islam sowie der afghanischen Kultur. Rund 70.000 Sicherheitskräfte sind am Wahltag im Einsatz.

Quelle: n-tv.de, sba/AFP/rts

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