Politik

Spott über Merkels Florenz-Reise Melnyk: Alle Russen sind jetzt unsere Feinde

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Geht schonungslos mit der deutschen Russland-Politik ins Gericht: Der ukrainische Botschafter Melnyk.

(Foto: IMAGO/Christian Spicker)

Der ukrainische Botschafter in Berlin ist nicht für abwägende Töne bekannt. In Zeiten des Krieges nimmt Melnyk noch weniger ein Blatt vor den Mund. "Alle Russen sind gerade unsere Feinde", sagt er in einem Interview. Auf Twitter gibt es dafür Empörung, aber auch Verständnis.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, sorgt mit einer Interview-Äußerung und einer Mitteilung auf Twitter über Feindschaft zu allen Russen für Diskussionen in den sozialen Medien. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Melnyk: "Ich sage es ganz klar: Russland ist ein Feindstaat für uns. Und alle Russen sind Feinde für die Ukraine im Moment." Das könne sich ändern. "Aber im Moment ist es so, dass wir keine Zeit haben zu fragen: Bist du gegen Putin oder für ihn - oder hast du vielleicht nur teilweise Verständnis?"

Auf Twitter veröffentlichte Melnyk am Vormittag: "All Russians are now our Enemies" ("Alle Russen sind jetzt unsere Feinde") und verwies auf sein Interview. Twitter-Nutzer warnten daraufhin vor Zuspitzungen und "rigidem Freund-Feind-Denken". Zwar seien die Taten russischer Soldaten zu verachten, und eine "erschreckende Mehrheit" der Russen unterstütze den Krieg, es dürfe aber nicht verallgemeinert werden. Teils gab es auch Unterstützung für Melnyk mit Hinweis auf dessen weitere Interview-Äußerungen.

In dem Interview sagte Melnyk weiter: "Uns kann es jetzt nicht darum gehen, zwischen bösen Russen und guten Russen zu unterscheiden." Denn Russland führe einen Krieg gegen die Ukraine. "Es ist nicht Putin, der Menschen in Butscha ermordet hat. Das waren konkrete Menschen aus verschiedenen Regionen Russlands. Sie haben ihre Verwandten, sie telefonieren nach Hause, sie plündern Häuser. Wir haben Tausende Telefonate, die wir aufgezeichnet haben als Beweisstücke für das Kriegstribunal", sagte Melnyk.

Einladung nach Butscha: Merkel reist nach Florenz

Manche würden in diesen Krieg geschickt, manche entschieden sich aus freien Stücken: "Aus der Überzeugung, dass sie die Ukraine vernichten wollen. Und deswegen ist für mich klar, wahrscheinlich auch nach dem Krieg, dass Russland ein Feindstaat bleiben wird", sagte Melnyk. Die Ukraine werde wahrscheinlich für lange Zeit ein Feind der russischen Gesellschaft bleiben: "Das liegt daran, dass die russische Propaganda seit der Krimannexion auf Hochtouren gelaufen ist."

Ebenfalls am Vormittag kommentierte Melnyk sarkastisch einen "Bild"-Bericht, nach dem Altkanzlerin Angela Merkel bei frühlingshaften Temperaturen durch Florenz flaniert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Merkel zuvor in den Kiewer Vorort Butscha eingeladen. "Klar, in Florenz liegen ja auch keine ermordeten Frauen und Kinder auf den Straßen. Dafür gibt es aber so viel Kunst und Kultur. Herrlich", schrieb der ukrainische Botschafter.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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