Politik

Varoufakis droht vor Besuch Merkel: Bin mir der Zumutungen für Griechenland bewusst

262435012.jpg

Noch-Kanzlerin Merkel ist am Donnerstag zu ihrem Abschiedsbesuch nach Athen gereist.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Griechenlandkrise zählt zu den größten Herausforderungen, die Noch-Kanzlerin Merkel zu bewältigen hatte. Nun ist sie auf Abschiedsbesuch in dem Land und zieht Bilanz. Währenddessen hält Ex-Finanzminister Varoufakis die Euro-Rettung des Landes für gescheitert - und greift die Kanzlerin scharf an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei ihrem Abschiedsbesuch in Griechenland die schwierige Phase in den Beziehungen zwischen beiden Ländern während der Eurokrise thematisiert. "Unter dem Strich war aber in der Tat der Dialog immer der Schlüssel zur Lösung", sagte Merkel bei einem Treffen mit der griechischen Staatspräsidentin Ekaterina Sakellaropoulou. Sie sei sich "sehr persönlich" bewusst gewesen, "welche Zumutungen und welche Herausforderungen" während der Stabilisierung des Euros für die Menschen in Griechenland verbunden waren.

"Aber zum Schluss ist es uns gelungen, dass wir einen Weg gefunden haben, indem Griechenland eben nicht nur 40 Jahre in der Europäischen Union ist, sondern Griechenland auch Mitglied des Euros ist", sagte Merkel in Athen. "Es gab Momente, in denen wir uns sehr alleine fühlten", bestätigte Staatspräsidentin Sakellaropoulou mit Blick auf die griechische Finanzkrise, in der das Land zwischenzeitlich kurz vor der Pleite und dem Austritt aus dem Euro stand.

Diese schwere Zeit habe aber auch dafür gesorgt, die Beziehungen zu Deutschland zu verbessern und sich gegenseitig besser zu verstehen. Merkel sei eine großartige Politikerin, sagte Sakellaropoulou - sie hoffe, dass die Kanzlerin auch in Zukunft aktiv bleibe. Griechenland drohte der Staatsbankrott und konnte nur mit internationaler Hilfe unter harten Auflagen gerettet und in der Eurozone gehalten werden. Viele Griechen haben Merkel in dieser Zeit für ihre Politik scharf kritisiert.

"Deutschen werden zahlen und zahlen und zahlen"

Ihr wahrscheinlich schärfster Kritiker war und ist Yanis Varoufakis, der zu Zeiten der Griechenland-Krise Finanzminister des Landes gewesen war. Kurz vor Merkels Ankunft in Athen rechnete Varoufakis in der "Bild"-Zeitung mit der deutschen Finanzpolitik zur Griechenlandrettung ab: "Die deutschen Arbeiter und Mittelständler werden leider zahlen und zahlen und zahlen."

Eine Euro-Rettung Griechenlands sei "zum Scheitern verurteilt gewesen", so Varoufakis weiter. "Frau Merkel, um Tacitus zu paraphrasieren, Sie haben es geschafft, Griechenland in eine Wüste zu verwandeln und dann haben Sie es Frieden genannt", sagte Varoufakis der "Bild".

Mehr zum Thema

Bei ihrem Besuch äußerte sich Merkel auch zum Corona-Wiederaufbauprogramm der EU. Demnach seien eine enge Zusammenarbeit und eine finanzielle Unterstützung für südeuropäische Länder nötig. "Ich war ganz überzeugt davon und habe deshalb auch diesem Recovery-Plan oder Next-Generation-EU-Programm aus vollsten Herzen zugestimmt", so Merkel. Die Corona-Pandemie sei ein "sehr, sehr großes Unglück" für alle, aber ganz besonders für die EU-Länder, die durch eine lange Phase von Reformen und Ausgabenkürzungen gelaufen seien.

Daher sei es "jetzt ein Gebot der Fairness", der europäischen Kohäsion und des Funktionieren des Europäischen Binnenmarktes, dass Länder wie Griechenland, Portugal, Italien, Spanien nun die Möglichkeit bekommen, Investitionen in die Zukunft vorzunehmen.

Quelle: ntv.de, spl/DJ/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen