Politik

Lockdown in Deutschland Merkel: "Zeit für Lockerung noch nicht gekommen"

Das öffentliche Leben in Deutschland ist weitgehend zum Erliegen gekommen, Kinder werden zu Hause betreut, Geschäfte haben geschlossen und seit Anfang der Woche gilt ein Kontaktverbot. Während die Rufe nach einer Exit-Strategie lauter werden, macht die Kanzlerin keine Hoffnung auf ein schnelles Ende.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält es noch für zu früh, um über eine Lockerung der wegen des Coronavirus verhängten Restriktionen in Deutschland zu entscheiden. Es gebe weiterhin einen Anstieg der Neuinfektionen, warnte Merkel am Donnerstagabend. Sie müsse deshalb die "Menschen in Deutschland wirklich um Geduld bitten". Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) stellte unterdessen in Aussicht, dass die Maßnahmen in seinem Bundesland baldmöglichst gelockert werden sollten.

Bereits seit mehr als einer Woche sind in Deutschland die Schulen und Kitas geschlossen. Auch viele andere öffentliche Einrichtungen machten dicht, zudem sind die meisten Geschäfte und alle Restaurants in Zwangspause. Seit Montag sind ferner Kontakte von mehr als zwei Menschen im öffentlichen Raum verboten, ausgenommen sind davon nur Angehörige des eigenen Hausstands.

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Merkel sagte nun in einer im Internet übertragenen Pressekonferenz, angesichts einer Inkubationszeit des neuartigen Virus von bis zu 14 Tagen könne noch nicht bewertet werden, ob die bisherigen Maßnahmen gewirkt hätten. Ziel der derzeitigen Restriktionen sei es, die Gesundheitssysteme nicht zu überlasten. Zuvor hatte die Kanzlerin an einem Video-Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs zu der Pandemie teilgenommen.

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Merkel befindet sich selber derzeit in Quarantäne. Sie begab sich freiwillig in die häusliche Isolation, nachdem sie Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Arzt gehabt hatte. Wie viele Bürger sitze sie derzeit "den ganzen Tag vor einem Gerät" und könne nur "virtuell" mit Menschen sprechen, berichtete sie. Sie habe aber "keine realen Begegnungen". Deshalb sei sie "froh", wenn ihre Quarantäne "sich ihrem Ende zuneigt".

Auflagen weitgehend akzeptiert

Pistorius sagte unterdessen zu den Restriktionen in Niedersachsen: "Ich verspreche: Sobald es irgendwie geht, werden wir die Beschränkungen wieder schrittweise aufheben." Besorgt zeigte sich der Landesinnenminister nicht nur wegen der sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen. "Wir schränken auch Bürger- und Freiheitsrechte massiv ein. Das ist nur in einer historischen Situation wie der jetzigen zu rechtfertigen und darf nicht länger dauern, als unbedingt notwendig", sagte der SPD-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Laut Pistorius halten sich die Bürger in Niedersachsen weitgehend an die Auflagen. Seit Beginn der Krise erhalte er jeden Morgen einen Lagebericht zu den einschlägigen Polizeieinsätzen. Daher könne er sagen, "dass die Menschen insbesondere in den letzten Tagen sehr vernünftig mit der Lage umgehen". Die Polizei schreite nur äußerst selten ein.

Zuletzt waren die Rufe nach einer Strategie für die schrittweise Aufhebung der Restriktionen lauter geworden. So fordert unter anderen der Deutsche Städtetag Konzepte für eine graduelle Rückkehr zum Alltag. Eine geordnete Exit-Strategie wäre "ein klares Signal, um den Sorgen der Menschen zu begegnen", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der "Rheinischen Post".

Nach den jüngsten vorliegenden Zahlen des Robert-Koch-Instituts vom Donnerstag gibt es in Deutschland inzwischen rund 36.500 Corona-Infektionsfälle und 198 verzeichnete Todesopfer. Die Johns-Hopkins-Universität in den USA registrierte hingegen bis zum frühen Freitagmorgen rund 43.940 Infektionsfälle in Deutschland. Die starke Differenz in den Zahlen erklärt sich aus unterschiedlichen Methoden der Datensammlung.

Quelle: ntv.de, ino/AFP