Politik

"Für unsere Mutter Erde" Merkel gibt Trump deutliches Kontra

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Kurz und nüchtern war Merkels Auftritt - aber deutlich in der Sache.

(Foto: AP)

Sie drücke sich noch sehr zurückhaltend aus, sagt Kanzlerin Merkel, und bedauert den Rückzug der USA vom Pariser Klimaabkommen. An den Klimazielen will sie dennoch festhalten und "alle Kräfte bündeln". Mehr Geld für den Klimafonds soll es aber nicht geben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Entscheidung der US-Regierung, sich aus dem Pariser Klimaschutzabkommen zurückzuziehen, als "äußerst bedauerlich" bezeichnet. "Und damit drücke ich mich noch sehr zurückhaltend aus", sagte Merkel in Berlin. Sie bezeichnete die Vereinbarung von 195 Staaten als einen Eckpfeiler der Zusammenarbeit der Länder der Welt.

Merkel betonte allerdings, man werde sich von der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump nicht aufhalten lassen. Der Weg sei steinig, aber unumkehrbar. "Entschlossener denn je werden wir in Deutschland, in Europa und in der Welt alle Kräfte bündeln, um große Menschheitsherausforderungen wie die des Klimawandels aufzunehmen und diese Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen."

Nach Merkels Worten sichert das Pariser Klimaabkommen den Weg zum Wohl aller Menschen. "Allen, denen die Zukunft unseres Planeten wichtig ist, sage ich: Lassen Sie uns gemeinsam den Weg weitergehen, damit wir erfolgreich sind für unsere Mutter Erde." Regierungssprecher Steffen Seibert ergänzte später, die Bundesregierung werde trotz des Streits über den Klimaschutz ihre Kooperation mit den USA und Präsident Donald Trump fortsetzen.

Merkel kündigte zudem an, dass Deutschland allen Verpflichtungen im Rahmen des Abkommens nachkommen werde, "ganz besonders im Blick auf die Finanzierung". Allerdings will die Bundesregierung die drohenden Finanzlücken im Weltklimafonds nicht durch zusätzliche Mittel ausgleichen. "Das kann von niemandem verlangt werden", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks im Bundestag. Die Vereinigten Staaten hatten dem Fonds drei Milliarden Dollar zugesagt, von denen bisher eine Milliarde überwiesen wurde. Nach Hendricks Worten könnte der Fehlbetrag durch den US-Abschied über internationale Organisationen wie die Weltbank aufgefangen werden.

Kein schnellerer Kohleausstieg

Der Weltklimafonds (green climate fund) soll bis 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar von Regierungen reicher Länder und der Wirtschaft einsammeln, um den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Ländern beim Kampf gegen die Folgen der Erderwärmung unter die Arme zu greifen.

Neben zusätzlichen Zahlungen an den Klimafonds erteilte Hendricks auch einem schnelleren Kohleausstieg hierzulande eine Absage, um mögliche Mehremissionen der USA bei Kohlendioxid zu kompensieren. "Das hat keinen unmittelbaren Zusammenhang", meinte Hendricks. Sie bedauere den Beschluss Trumps außerordentlich. In der Klimapolitik entstehe nun ein Vakuum, "dass durch uns, die Europäer, und die Chinesen aufgefüllt wird".

Auch die deutsche Industrie mahnte angesichts des Ausstiegs der USA aus dem Klimaschutzabkommen eine "besonnene und vernünftige" Reaktion an. Europa und Deutschland hätten sehr ehrgeizige Klimaziele, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf. "Es wäre falsch, nun die eigenen Reduktionsziele weiter zu verschärfen."

Der Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaabkommen könnte im schlimmsten Fall eine zusätzliche Erderwärmung um 0,3 Grad zum Ende des Jahrhunderts bedeuten. Das sagte Deon Terblanche, Direktor der Abteilung für Atmosphärenforschung bei der Weltwetterorganisation (WMO), in Genf. Er betonte aber, dass solche Vorhersagen höchst schwierig seien. Man wisse ja gar nicht, ob die Emissionen der USA in die Höhe gehen oder weiter sinken. Die USA sind nach China weltweit der zweitgrößte CO2-Verursacher.

Quelle: ntv.de, mli/DJ/dpa