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Telefonat mit König Salman Merkel verurteilt Khashoggi-Mord

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Kanzlerin Merkel mit König Salman im April 2017.

(Foto: picture alliance / Kay Nietfeld/)

Im gewohnt vorsichtigen diplomatischen Jargon rügt Kanzlerin Angela Merkel den Mord an Jamal Khashoggi. Gleichzeitig verkündet sie die Bereitschaft, "angemessene Maßnahmen" zu ergreifen.

In einem Telefonat mit dem saudi-arabischen König Salman hat Kanzlerin Angela Merkel die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi "aufs Schärfste" verurteilt. Die Kanzlerin habe das Königreich dazu aufgerufen eine "rasche, transparente und glaubhafte Aufklärung sicherzustellen", hieß es in einer von Regierungssprecher Steffen Seibert bei Twitter verbreiteten Erklärung. Demnach stehe "Deutschland bereit, zusammen mit internationalen Partnern angemessene Maßnahmen zu ergreifen".

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Merkel hatte sich im Lichte der laufenden Entwicklung des Falles zuvor bereits gegen weitere Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien ausgesprochen und "dringenden weiteren Klärungsbedarf" angemeldet. In ihrem Gespräch mit Salman habe sie ihre Forderung bekräftigt, "dass alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden müssen", hieß es in der Mitteilung. Zudem habe sie den Monarchen dazu aufgefordert, den Zugang für humanitäre Hilfsleistungen in den Jemen zu erleichtern.

Khashoggi verschwand Anfang Oktober im saudiarabischen Konsulat in Istanbul. Saudi-Arabien hatte unter massivem internationalen Druck erklärt, der Journalist sei bei einem "Faustkampf" in dem Gebäude zu Tode gekommen. Diese offizielle Version der Ereignisse wird allerdings international stark angezweifelt, zumal Riad ursprünglich versichert hatte, er habe das Konsulat lebend verlassen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte von einem "brutalen geplanten Mord" gesprochen. US-Präsident Donald Trump sagte, die Tötung Khashoggis sei dilettantisch verschleiert worden.

Erneute Kehrtwende

Am Donnerstag vollzog Saudi-Arabien dann erneut eine Kehrtwende und sprach von einer "vorsätzlichen Tat". Das legten Informationen nahe, die von den türkischen Ermittlern stammten. Die saudischen Behörden hatten 18 Verdächtige festgenommen. Mit dieser neuen Version versucht Saudi-Arabien, den massiven internationalen Druck auf das Land zu verringern. Weitere Einzelheiten teilte die saudische Staatsanwaltschaft zunächst nicht mit.

Mehrere Spuren legen den Schluss nahe, dass auch Personen aus dem näheren Umfeld des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in den Fall verwickelt sind. Saudi-Arabien weist eine Verstrickung des Thronfolgers in die Affäre zurück. Der 33-Jährige hatte die Tat als "abscheulichen Vorfall" verurteilt, der nicht zu rechtfertigen sei.

Quelle: n-tv.de, lou/AFP/dpa

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