Politik

"Nach Pandemie ist vor Pandemie" Merkel warnt vor trügerischer Sicherheit

242421195.jpg

Die Bundeskanzlerin warb für einen internationalen Pandemievertrag, der Länder zu besserer Kooperation bringen soll.

(Foto: picture alliance / Flashpic)

Mit den steigenden Impfquoten scheint die Corona-Gefahr für viele gebannt. Doch Kanzlerin Merkel mahnt auf der Jahrestagung der WHO zur Zurückhaltung und wirbt für einen internationalen Pandemievertrag. UN-Generalsekretär Guterres spricht von einem "Krieg mit einem Virus".

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zum Auftakt der Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor neuen Pandemiegefahren gewarnt. Sie rief die Weltgemeinschaft auf, bessere Vorbereitungen zu treffen. "Diese Pandemie ist noch nicht bewältigt; und sie wird auch nicht die letzte sein", sagte Merkel in einer Videobotschaft, die bei der virtuellen Tagung der 194 WHO-Mitgliedsländer eingespielt wurde.

Die Bundeskanzlerin warb für einen internationalen Pandemievertrag, der Länder zu besserer Kooperation bringen soll. Die Hoffnung ist, dass dadurch früher gewarnt und schneller gehandelt werden kann, um eine neue globale Pandemie im Keim zu ersticken. "Nach der Pandemie ist vor der Pandemie", sagte Merkel. "Auf die nächste sollten wir möglichst gut vorbereitet sein. Das ist das Signal, das ich mir von dieser Weltgesundheitsversammlung erhoffe."

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus kritisierte die reichen Länder, die den Großteil der verfügbaren Corona-Impfdosen aufgekauft hätten. 75 Prozent der Impfdosen seien in nur zehn Ländern. In vielen anderen Ländern müssten deshalb Millionen Mitarbeiter des Gesundheitswesens auf die wichtige Impfung warten. Er appellierte an diese Länder, Impfdosen abzugeben. Er rief die Welt auf, dafür zu sorgen, dass bis September mindestens zehn Prozent der Menschen weltweit und bis Ende des Jahres 30 Prozent geimpft werden können.

"Wir sind im Krieg mit einem Virus"

UN-Generalsekretär António Guterres hat die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, der weltweiten Corona-Krise mit derselben Strategie wie in einem Krieg zu begegnen. "Wir sind im Krieg mit einem Virus", sagte er. Die Welt brauche "die Logik und die Dringlichkeit einer Kriegswirtschaft", um dafür zu sorgen, dass alle Länder gleichen Zugang zu den "Waffen" im Kampf gegen die Pandemie erhalten.

Die Pandemie habe einen "Tsunami des Leidens" ausgelöst, klagte Guterres. Seit ihrem Beginn Ende 2019 seien mehr als 3,4 Millionen Menschen gestorben, rund eine halbe Milliarde Menschen habe ihre Arbeit verloren. "Die Schwächsten leiden am meisten, und ich fürchte, das ist noch lange nicht vorbei", sagte Guterres.

Er warnte vor den anhaltenden Gefahren einer "globalen Reaktion der zwei Geschwindigkeiten". Wenn jetzt nicht gehandelt werde, sei die Mehrheit der Bevölkerung in den reichen Ländern bald geimpft und die Wirtschaft könne sich erholen, während das Virus in den armen Staaten weiter wüte und mutiere und "für tiefes Leid sorgt". Dies könnte zum Tod von weiteren Hunderttausenden Menschen führen und die weltweite wirtschaftliche Erholung verlangsamen.

Der Kampf gegen die Pandemie und Maßnahmen zur Verhinderung ähnlicher Gesundheitskrisen in der Zukunft stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung der WHO-Mitglieder. Noch bis zum 1. Juni wollen sie dabei auch über eine Reform der Organisation beraten, um sie unabhängiger sowie transparenter zu machen und sie finanziell besser auszustatten, um ihre Schlagkraft bei Gesundheitskrisen zu erhöhen.

Quelle: ntv.de, can/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.