Politik

Was ist denn jetzt das Ergebnis? Merkels Trump-Visite stiftet Verwirrung

Drei Tage Macron, drei Stunden Merkel: Donald Trump hat diese Woche seine Verbündeten vom europäischen Kontinent empfangen. Aber was genau ist das Resultat des Treffens mit der Kanzlerin?

Den Höhepunkt genießt sie bereits kurz nach ihrer Ankunft am Freitagabend im Restaurant um die Ecke. Burger, Weißwein, fassungslose Brasilianer. Und das mitten in Washington. Merkel muss weg? Hier gilt: Merkel ist ein Superstar! Das Foto mit den Gästen aus Südamerika - Ehrensache. Eine Bundeskanzlerin wie zu ihren besten Zeiten. Tags darauf die Vorfahrt zum Weißen Haus, und lauter Tiefpunkte. Bei keinem Thema kommt sie voran. Bilanz: 18 Stunden Flug, kein greifbares Ergebnis. Aber der Reihe nach.

Die M Street in Georgetown, Washingtons feinem Viertel, Feierabend- und Wochenendverkehr. Vor dem J. Paul‘s Dining Saloon, einem Traditionsgasthaus von 1983, herrscht Gedränge. Was ist hier los? Niemand weiß Genaues. Die beiden Sicherheitskräfte am Eingang beflügeln die Phantasie. Vielleicht sind die Obamas drin? Oder die Kardashians? Handys sind gezückt.

Heraus kommt schließlich die deutsche Bundeskanzlerin, umringt von einem halben Dutzend Beratern und Getreuen. Selbst die Amerikaner erkennen sie sofort. "The German Chancellor!" Im Trumpland eine Sensation. Wir fragen nach. Einen Classic Cheeseburger für 14,95 Dollar, dazu Bacon und ein Glas Pinot Grigio. "Das hat sie bestellt und ein Begleiter hat bezahlt", sagt bereitwillig der Kellner. Das Trinkgeld sei sehr ordentlich gewesen. "Darauf können Sie wetten." Neben dem inzwischen leeren Merkel-Tisch beste Stimmung. Knapp ein Dutzend Brasilianer. Merkel war da, bestätigen sie ungefragt. "Wir lieben sie", bitte daheim weitersagen. Man habe es kaum glauben können, die deutsche Bundeskanzlerin beim Burgeressen in Washington zu treffen. Verrückt!

"Jetzt werden wir aufholen"

Verrückt ist auch eine passende Bezeichnung für das derzeitige Miteinander in der sogenannten freien Welt, dem alten Westen. Zu beobachten in dieser Woche. Zunächst drei Tage Macron, dann drei Stunden Merkel. Prunkvoller Staatsbesuch und nüchterner Arbeitsabstecher. Herausgekommen ist auch nach dieser Doppelvisite und -strategie der Europäer - nichts. Zumindest nichts Konkretes. Gleiche Werte, gleiche Ziele? Das war vielleicht immer übertrieben. Jetzt ist es nur noch eine Farce.

Make America Great Again! Viele hielten dies für einen schlechten Wahlkampfslogan Donald Trumps. Doch Trump nimmt dies als sein Regierungsmotto. Und er meint es ernst. Die USA seien jahrelang zu kurz gekommen. "Und jetzt werden wir aufholen", kündigt er auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Angela Merkel an. "Und wir werden es schaffen."

Wie gedenkt Trump, das zu tun? Drei Themen stehen derzeit stellvertretend für das Auseinanderdriften der Kontinente. Beispiel Strafzölle. Die sollen eingeführt werden, um die USA vor den angeblich unfairen Praktiken der Europäer zu schützen. Er meint vor allem Deutschland, das gegenüber den Vereinigten Staaten tatsächlich einen gewaltigen Handelsüberschuss besitzt. Freier Handel, freier Wettbewerb? Für Trump alles nicht relevant. Statt gemeinsam eine Vorgehensweise gegen China zu entwickeln, steuert man nun auf einen Handelskrieg untereinander zu. So will Trump "Gerechtigkeit" schaffen.

Beispiel: Das Atomabkommen mit dem Iran. Laut Trump ein "katastrophal verhandeltes" Papier. Für die Europäer ein Stück Berechenbarkeit in einer höchst fragilen Region. Wird er einen Krieg riskieren? Trump verspricht: So oder so, der Iran werde keine Atomwaffen bekommen!

Zumindest äußerlich respektvoll

Schließlich das Beispiel Verteidigung. Vor dem Fall der Mauer gab Deutschland 2,3 Prozent des Bruttosozialproduktes für Verteidigung aus. Jetzt sind es 1,2 Prozent. Merkel peilt für 2019 genau 1,3 Prozent an. Für jemanden wie Trump ist das ein schlechter Witz. Er empfiehlt der Kanzlerin, so hört man, am besten den kompletten Handelsüberschuss in die Verteidigung zu stecken. Die USA seien jedenfalls nicht länger bereit, Deutschlands Sicherheit zu garantieren und damit Deutschlands Prosperität zu fördern.

Merkel weiß, dass Trump nicht ganz unrecht hat. Schon ihr Freund Obama verlangte Ähnliches, wenn auch deutlich zarter verpackt. Aber Merkel weiß auch, mit wem sie koaliert. Und wie beliebt steigende Rüstungsausgaben in Deutschland sind. Ein Dilemma.

Immerhin gehen Merkel und Trump trotz aller Differenzen äußerlich respektvoll miteinander um. Merkel lobt Trumps Nordkoreapolitik. Trump wiederum gratuliert Merkel artig zur vierten Wiederwahl. Außerdem zeigt er ihr den Lincoln Bedroom, das Heiligtum des Weißen Hauses. Merkel revanchiert sich mit einer 300 Jahre alten Karte der Rheinpfalz, der Heimat der Trumpschen Vorfahren, verbunden mit der Einladung, sich die Gegend einmal gemeinsam anzusehen. "Machen wir irgendwann", sagt Trump.

Vorerst allerdings ist keine Sightseeingtour ins beschauliche Rheinland-Pfalz geplant. Vorerst drohen Handelskriege und eine Eskalation des Konflikts mit dem Iran. Wie es weitergeht? "Keine Ahnung", heißt es aus deutschen Regierungskreisen. Es sei gut, im Gespräch zu bleiben, aber die Entscheidung liege letztlich beim US-Präsidenten. Man wartet also einfach ab.

Quelle: ntv.de