"Um es noch deutlicher zu sagen"Merz kritisiert die Arbeitsmoral der Deutschen
Work-Life-Balance? Vier-Tage-Woche? Bundeskanzler Merz sieht unseren Wohlstand gefährdet. Er fordert von Arbeitnehmern mehr Einsatz und Leistung. Als Vorbild führt Merz die Schweiz an.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Arbeitsmentalität in Deutschland getadelt und längere Arbeitszeiten angemahnt. "Insgesamt ist die Arbeitsleistung unserer Volkswirtschaft nicht hoch genug", sagte Merz am Mittwoch in einer Rede vor der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau. "Um es noch deutlicher zu sagen: Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten - und deswegen müssen wir mehr arbeiten", fügte er hinzu.
Der Kanzler wies darauf hin, dass Menschen in der Schweiz jedes Jahr im Schnitt 200 Stunden mehr arbeiteten als Deutsche. Er sehe "keine genetischen Unterschiede" zwischen den Menschen in den beiden Ländern, die es rechtfertigten, dass in Deutschland weniger gearbeitet werde als in der Schweiz. "Die Arbeitskosten in unserem Land sind einfach zu hoch, und wir müssen von diesem hohen Niveau runter", sagte er.
Merz forderte einen Wandel der Arbeitsmentalität: "Eine der besten Möglichkeiten, die Arbeitskosten zu senken, ist, dass wir uns alle gegenseitig versprechen, dass wir insgesamt wieder durch Mehrarbeit, durch mehr Leistung eine höhere volkswirtschaftliche Leistung in Deutschland erbringen." Er wisse, "wie anfällig für Missverständnisse solche Formulierungen sind", fügte der Kanzler hinzu. Er verwies auf Millionen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, "die sehr viel Arbeit und auch sehr viele Überstunden machen". Insgesamt müssten die Arbeitszeiten in Deutschland aber steigen.
Merz verwies darauf, dass die Regierung Ende vergangenen Jahres ein Gesetz verabschiedet hat, dass Menschen nach Erreichen des Renteneintrittsalters ein steuerbegünstigtes Weiterarbeiten ermögliche. Viele seien dazu auch gesundheitlich in der Lage, sagte der Kanzler: "Es besteht nicht das ganze deutsche Volk aus Dachdeckern und Fliesenlegern." Seine Regierung werde "Schritt für Schritt jetzt die Entscheidungen treffen, die notwendig sind, um unser Land wieder fit zu machen".
