Politik

"Koordinierte Schleichanfragen" Messengerdienst Telegram fällt aus

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Telegram ist wegen seiner Verschlüsselungstechnik bei Hongkonger Demonstranten beliebt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wegen eines Hackerangriffs ist der Online-Messengerdienst Telegram vorübergehend nicht erreichbar. Der Unternehmenschef macht dafür China verantwortlich. Er vermutet, dass die Attacke im Zusammenhang mit den Protesten in Hongkong steht.

Der Online-Messengerdienst Telegram ist nach eigenen Angaben Ziel eines großangelegten Hackerangriffs geworden. Die Attacke auf das verschlüsselte Netzwerk sei größtenteils von China aus gestartet worden, twitterte Telegram-Gründer Pavel Durov. Er setzte den Vorfall, der zu Störungen des Dienstes führte, in Zusammenhang mit den derzeitigen Massenprotesten in Hongkong.

Es handelte sich laut Mitteilung von Telegram um eine sogenannte DDoS-Attacke, mit der die Angreifer ihr Ziel durch Überlastung lahmlegen wollten. Bei solchen Attacken werden die Zielserver durch Unmengen koordinierter Scheinanfragen daran gehindert, echten Nutzern zu antworten. Dadurch sei es womöglich in vielen Regionen der Welt vorübergehend zu Verbindungsproblemen mit dem Dienst gekommen, berichtet Telegram.

Nach Angaben von Durov hatten sich vergleichbare Hackerangriffe, in die staatliche Akteure involviert gewesen seien, in der Vergangenheit immer zeitgleich mit Protestbewegungen in Hongkong ereignet. "Dieser Fall war keine Ausnahme", schrieb Durov. Bis jetzt hatte sich Durov bei vergleichbaren Vorkommnissen mit Schuldzuweisungen zurückgehalten.

Hongkong-Aktivisten organisierten sich über Messenger

*Datenschutz

Bei den schweren politischen Unruhen in Hongkong organisieren sich viele Aktivisten über Telegram, um so der Überwachung durch die chinesischen Behörden zu entkommen. Auf dem chinesischen Festland ist der Onlinedienst nicht verfügbar, die Bewohner der einstigen britischen Kronkolonie haben jedoch Zugang.

Zehntausende Menschen hatten aus Protest gegen ein umstrittenes Auslieferungsgesetz Hauptverkehrsstraßen und das Regierungsviertel in Hongkong blockiert, es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. 70 Menschen wurden verletzt.

Bereits am Sonntag hatten in Hongkong Hunderttausende gegen das geplante Auslieferungsgesetz demonstriert. Es würde den Behörden der halbautonomen Sonderverwaltungszone erlauben, auf Ersuchen chinesischer Stellen Verdächtige an die kommunistische Volksrepublik auszuliefern. China versucht seit einigen Jahren, Hongkong stärker zu kontrollieren.

Quelle: n-tv.de, lwe/AFP

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