Politik

Von wegen VersöhnungMiersch über Merz: "So kann man eigentlich kein Kanzleramt führen"

30.04.2026, 12:32 Uhr
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Bundeskanzler Merz und SPD-Fraktionschef Miersch im Bundestag (Archivbild). (Foto: picture alliance / dts-Agentur)

Harte Fundamentalkritik am Chef des Koalitionspartners: Bei einem öffentlichen Auftritt sagt SPD-Fraktionschef Miersch, es sei "ein Riesenproblem", dass Kanzler Merz so impulsiv sei. Zur gleichen Zeit ist Merz bei einem Versöhnungstreffen mit dem SPD-Vorsitzenden.

Während Bundeskanzler Friedrich Merz und sein Vize Lars Klingbeil dabei sind, ihr Vertrauensverhältnis zu reparieren, schießt SPD-Fraktionschef Matthias Miersch massiv gegen den Koalitionspartner. Vor allem gegen den Kanzler und CDU-Vorsitzenden.

Es sei "ein Riesenproblem, dass er so ein impulsiver Mensch ist", sagte Miersch nach Angaben der lokalen Nachrichtenseite Rundblick Unna. Als Beispiel verwies er auf die Sätze, die Merz "zur Basisrente rausgehauen hat". Miersch weiter: "So kann man eigentlich kein Kanzleramt führen."

Der SPD-Politiker äußerte sich bei einem etwa anderthalbstündigen Polit-Talk vor mehr als 100 Besuchern in einer Tanzschule der Stadt Unna. Während Miersch dort über Merz lästerte, traf Merz sich mit Klingbeil in dessen Wahlkreis in Niedersachsen zu einer Art demonstrativem Versöhnungsbesuch.

In den vergangenen Tagen war deutlich geworden, dass der Streit innerhalb der Koalition auch Merz und Klingbeil erreicht hatte. Der "Spiegel" hatte berichtet, der Kanzler habe den SPD-Vorsitzenden während des Koalitionsgipfels am 12. April in der Villa Borsig laut angefahren.

Am vergangenen Dienstag bestätigte Klingbeil dies indirekt: Es sei nicht schlimm, "wenn man mal angebrüllt wird", sagte er bei einer SPD-Klausur in Bielefeld. Wenn man in der Villa Borsig sitze, "und dann kommt, nur mal als theoretische Annahme, irgendwer auf die Idee, man könnte Karenztage einführen oder den 1. Mai als Feiertag abschaffen, und wir sagen nein, dann lasse ich mich als euer Vorsitzender sehr gerne dafür anbrüllen."

Diese Darstellung stieß in der Union auf massive Verärgerung. Offiziell kommentierte Unionsfraktionschef Jens Spahn lediglich, er empfehle allen, keine Interna auszuplaudern.

Merz selbst versuchte, den Konflikt herunterzuspielen. Bei einem kurzen Presseauftritt am Mittwoch sagte er auf eine entsprechende Frage, er "brülle niemanden an". Allerdings gebe es in der Koalition "auch streitige Diskussionen". An diesem Donnerstag besucht der Kanzler zusammen mit Klingbeil den Bundeswehrstandort Munster. Munster liegt in Klingbeils Wahlkreis.

Quelle: ntv.de, hvo

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