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Rede auf Republikaner-Parteitag Mike Pence nennt Biden "Gefahr" für USA

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Ort der Rede von Mike Pence war Fort HcHenry, eine historische Festung, deren Verteidigung Inspiration für die Nationalhymne war.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mike Pence schießt auf dem Parteitag der Republikaner scharf gegen Joe Biden. Er sei "ein trojanisches Pferd der radikalen Linken", sagte der US-Vizepräsident. Trump hingegen werde für "Recht und Ordnung" sorgen.

US-Vizepräsident Mike Pence hat in seiner Nominierungsrede für die Wahl im November den oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden als Gefahr für die Sicherheit der Bürger dargestellt. "Die harte Wahrheit ist: Sie werden in Joe Bidens Amerika nicht sicher sein", sagte der Republikaner in seiner Parteitags-Ansprache. Biden sei ein "trojanisches Pferd der radikalen Linken", die der Polizei die Finanzmittel streichen wolle. Während Trump die Nation auf den Pfad von "Freiheit und Chancen" gesetzt habe, würden die USA unter Biden auf den "Pfad von Sozialismus und Niedergang" geraten. Belege, warum er Biden für einen linksradikalen Sozialisten hält, lieferte Pence nicht.

Nach neuen wütenden Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt hat Pence den Amerikanern hingegen Recht und Ordnung bei einer Wiederwahl von Präsident Donald Trump versprochen. "Wir werden auf den Straßen dieses Landes für jeden Amerikaner jeder Rasse, jeden Glaubens und jeder Hautfarbe Recht und Ordnung haben", sagte Pence. Bei den Protesten handele es sich um "Gewalt und Chaos in unseren Städten, nicht um friedliche Demonstrationen". Die Trump-Regierung werde die Sicherheitskräfte und die Minderheiten im Land für vier weitere Jahre unterstützen.

Schwarze sind eine wichtige Wählergruppe Bidens, der unter Barack Obama Vizepräsident war. Mehrere afroamerikanische Redner nahmen Trump beim Parteitag gegen Rassismusvorwürfe in Schutz. So sagte etwa der Bürgerrechtler Clarence Henderson: "Er hat in vier Jahren mehr für schwarze Amerikaner getan als Joe Biden in 50." Trump war in der Vergangenheit immer mit rassistischen Anmerkungen aufgefallen. Unter anderem hatte er Neonazis verteidigt und sich über Zuwanderer aus "Shithole Countries" aufgeregt, aus Dreckslöchern.

In seiner Rede warf Mike Pence Trumps Herausforderer Biden vor, auf den Parteitagen der Demokraten nicht klar zu den gewalttätigen Ausschreitungen im Rahmen der "Black Lives Matters"-Proteste Stellung bezogen zu haben. "Unter Präsident Trump werden wir Seite an Seite mit denen stehen, die auf der dünnen blauen Linie stehen, und wir werden die Polizei nicht enttäuschen - nicht jetzt, niemals", so Pence.

Trump hat "unzählige Leben gerettet"

Trotz rund 180.000 Toten bei der Corona-Pandemie in den USA pries Pence zudem das Krisenmanagement Trumps. Sein frühzeitiges Handeln habe "unzählige amerikanische Leben gerettet und verschaffte uns Zeit, die größte nationale Mobilisierung seit dem Zweiten Weltkrieg zu starten, sagte der Vizepräsident, der zugleich der Corona-Task-Force im Weißen Haus vorsteht. "Letzte Woche sagte Joe Biden, dass es kein Wunder geben wird. Aber Joe scheint nicht zu verstehen, dass Amerika eine Nation der Wunder ist. Und ich bin stolz darauf, berichten zu können, dass wir auf dem Weg sind, bis Ende dieses Jahres den weltweit ersten sicheren, effektiven Coronavirus-Impfstoff zu haben." Trump sei der beste Kandidat, um die von der Corona-Pandemie hart getroffene US-Wirtschaft wieder aufzurichten. Der Präsident habe als "bewährter Anführer" schon die "großartigste Wirtschaft der Welt" erschaffen. Biden schrieb auf Twitter: "180.000 Menschen sind an dieser Covid-Krise gestorben. Und die herzzerreißende Wahrheit ist, dass es so nicht hätte geschehen müssen."

Fort McHenry war als Ort der Ansprache von Pence mit Bedacht gewählt. Die Festung war 1814 während des Britisch-Amerikanischen Kriegs von britischen Truppen bombardiert worden. Die Verteidigung von Fort McHenry inspirierte den Dichter Francis Scott Key zu einem Gedicht, das später zum Text der US-Nationalhymne "The Star-Spangled Banner" wurde. Die Festung ist heute ein Nationalmonument und steht für amerikanischen Patriotismus. Seine Rede fand vor ausgesuchtem Publikum statt, darunter Trump mit seiner Frau Melania, Pence' Familie und auch seine "87-Jahre junge" Mutter. Pence scherzte, dass sie beim Gespann Trump-Pence nicht ihren Sohn bevorzugen würde. Gesichtsmasken sah man in den Reihen nur vereinzelt.

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Pence ist ein erzkonservativer Politiker und evangelikaler Christ. Der frühere Gouverneur des Bundesstaates Indiana soll Trump wie bereits 2016 die Unterstützung der religiösen Rechten sichern, einer sehr wichtigen und gut organisierten Wählergruppe. Der stets sehr nüchtern auftretende Pence spricht als Trumps Garant für konservative Werte allgemein die traditionell-konservative Wählerschaft an. Seit dem Frühjahr leitet er den Corona-Krisenstab des Weißen Hauses.

Nach der Ansprache seines Stellvertreters trat auch Trump selbst in der Festung vor Anhängern auf. Seine Nominierungsrede hält der Präsident dann am Donnerstagabend im Weißen Haus - ein Traditionsbruch, denn für gewöhnlich sind Wahlkampfveranstaltungen im Amtssitz des Präsidenten tabu. Die Nominierungsreden sind traditionell Höhepunkte eines jeden Präsidentschaftswahlkampfes in den USA. Trump liegt in Umfragen für den 3. November hinter Ex-Vizepräsident Biden von der Demokratischen Partei. Der Präsident setzt auf Themen wie Wirtschaft und innere Sicherheit, um den Rückstand wettzumachen.

Quelle: ntv.de, bea/dpa/AFP/Reuters