Politik

Erste Exekutionen seit 1990 Militärjunta in Myanmar richtet vier Menschen hin

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Das Militär in Myanmar putschte sich 2021 zurück an die Macht.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Über 30 Jahre lang wird in Myanmar kein Todesurteil mehr vollstreckt. Am Sonntag lässt die Militärjunta jedoch vier Dissidenten hinrichten - offenbar ohne Vorwarnung für die Familien. UN-Rechtsexperten befürchten, dass dies den Beginn einer ganzen Reihe von Exekutionen markieren könnte.

Die Junta in Myanmar hat trotz internationaler Proteste erstmals seit Jahrzehnten wieder Todesurteile vollstreckt. Vier im Januar verurteilte Dissidenten seien hingerichtet worden, darunter der frühere Parlamentsabgeordnete und Hip-Hop-Künstler Phyo Zeya Thaw und der prominente Demokratieaktivist Kyaw Min Yu, auch bekannt unter dem Namen Jimmy. Dies berichtete die staatliche Zeitung "Global New Light of Myanmar". Sie seien für schuldig befunden worden, bei der Durchführung "unmenschlicher Terrorakte" geholfen zu haben.

Es handelt sich um die ersten vollzogenen Todesstrafen in dem südostasiatischen Krisenstaat seit 1990. "Die schockierende Geschwindigkeit, mit der die Todesurteile vollstreckt wurden, und die Gefühllosigkeit, mit der sie durchgeführt wurden, werden noch dadurch verschlimmert, dass die Familien - genau wie wir alle - im Nachhinein und nur durch die Medien vom Tod ihrer Angehörigen erfuhren", sagte Manny Maung von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, dringend Maßnahmen gegen die Militärregierung zu ergreifen.

Bereits im Juni, nachdem die Verurteilten ihre Berufungsverfahren verloren hatten, warnten UN-Experten: "Diese Todesurteile, die von einem illegitimen Gericht einer illegitimen Junta verhängt wurden, sind ein abscheulicher Versuch, den Menschen in Myanmar Angst einzujagen." Eine den Familien nahestehende Quelle sagte, die Männer seien am Sonntagmorgen gehängt worden.

"Es ist einfach schrecklich"

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Kyaw Min Yu kämpfte jahrzehntelang für mehr Demokratie.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Phyo Zeya Thaw und Kyaw Min Yu durften ihre Familien vor wenigen Tagen noch einmal per Zoom-Schalte sehen, berichteten lokale Medien und den Familien nahe stehende Quellen. "Wir haben gehofft, die Urteile würden nicht vollstreckt, es ist einfach schrecklich", sagte eine Frau aus dem Umkreis der Familie von Kyaw Min Yu. "Die Familien dachten, sie seien noch eine Weile sicher." Der Aktivist hatte seit 1988 für mehr Demokratierechte gekämpft und bereits in der Vergangenheit mehr als 20 Jahre im Gefängnis gesessen. Die Junta warf ihm vor, in Online-Netzwerken zu Unruhen aufgerufen zu haben.

Der zunächst als Hip-Hop-Sänger bekannte Phyo Zeya Thaw war später in die Politik gegangen und zu einem engen Verbündeten Suu Kyis geworden. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, einen bewaffneten Angriff auf einen Pendlerzug in Myanmars Hauptstadt Yangon organisiert zu haben, bei dem fünf Polizisten starben. Die anderen beiden hingerichteten Männer sollen eine Frau getötet haben, die sie verdächtigten, eine Informantin der Junta in Yangon zu sein.

Rechtsexperten rechnen mit weiteren Hinrichtungen

International war bereits die Ankündigung der Hinrichtungen scharf kritisiert worden. UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einer "eklatanten Verletzung des Rechts auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person". UN-Rechtsexperten gehen nun davon aus, dass die ersten Hinrichtungen in Myanmar den Beginn einer ganzen Reihe von Vollstreckungen von Todesurteilen markieren könnten.

Gemäß den Bestimmungen des Kriegsrechts der Junta kann die Todesstrafe für sehr lose definierte Verbrechen verhängt werden. In der Praxis kann praktisch jegliche Kritik am Militär mit dem Tod bestraft werden. Der Myanmar-Experte Richard Horsey von der International Crisis Group (ICG) erklärte auf Twitter, die Hinrichtungen seien "ein ungeheuerlicher Akt, der politische Schockwellen erzeugen wird, jetzt und für eine lange Zeit".

Das Militär hatte im Frühjahr vergangenen Jahres die gewählte Regierung Myanmars unter De-facto-Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gestürzt. Seither herrschen in dem südostasiatischen Staat die Militärs, gegen die sich selbsternannte Volksverteidigungskräfte erhoben haben. Die unter Hausarrest stehende Suu Kyi selbst wurde im April zu weiteren fünf Jahren Haft verurteilt.

Quelle: ntv.de, mbu/dpa/AFP

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