Politik
In ganz Spanien gab es Protestaktionen, wie hier in Pamplona.
In ganz Spanien gab es Protestaktionen, wie hier in Pamplona.(Foto: AP)
Donnerstag, 08. März 2018

Königin von Spanien streikt mit: Millionen Frauen gehen auf die Straßen

Was passiert, wenn Millionen Frauen auf die Barrikaden gehen? Das kann man am heutigen Weltfrauentag in Spanien beobachten. Auch die Königin beteiligt sich am Protest gegen Diskriminierung im Beruf und sexuelle Gewalt.

Millionen von Frauen sind anlässlich des Weltfrauentages in ganz Spanien für Gleichberechtigung auf die Straßen gegangen. An dem ersten landesweiten "feministischen Streik" nahmen nach Angaben von Gewerkschaften 5,3 Millionen Menschen teil. Die rund 120 Kundgebungen standen unter dem Motto "Wenn die Frauen streiken, dann steht die Welt still".

Marsch zum Frauentag in Pamplona.
Marsch zum Frauentag in Pamplona.(Foto: dpa)

Die Teilnehmerinnen sollten an den Demos teilnehmen und ihren Arbeitsplätzen fernbleiben. In der Folge gibt es bei Bus und Bahn Zugausfälle und Verspätungen, außerdem müssen viele Fernsehsendungen ausfallen. Zudem wurden sie dazu aufgerufen, auch zu Hause die Arbeit niederzulegen und weder zu putzen noch zu kochen.

Penélope Cruz: "Dieser Streik ist wichtig"

Auch Hollywoodstar Penélope Cruz und Königin Letizia beteiligten sich. Letizia, eine ehemalige Journalistin, die sich in der Vergangenheit mehrfach mit den Feministinnen solidarisch erklärt hat, sagte alle Termine ab. Die Online-Zeitung "El Español" zitierte Cruz unterdessen mit den Worten: "Das, was für diesen Tag an Arbeit anstand, habe ich abgesagt. Dieser Streik ist wichtig und mehr als symbolisch." Früher seien solche Arbeitskämpfe nach wenigen Tagen in Vergessenheit geraten, "aber ich glaube, wir stehen jetzt am Anfang eines globalen Wandels", so die 43-Jährige.

Hier wird in Barcelona protestiert.
Hier wird in Barcelona protestiert.(Foto: imago/ZUMA Press)

Im spanischen Fernsehen fielen zahlreiche Sendungen aus, weil berühmte Moderatorinnen und Nachrichtensprecherinnen ebenso wie der Öffentlichkeit unbekannte Journalistinnen dem Streikaufruf folgten.

Viele Züge fallen aus

Auf unzähligen Balkonen wurden Kochschürzen mit Aufschriften gehängt. Plätze und Straßen waren voller Menschen, die fröhlich demonstrierten. Vom Ausstand betroffen waren unter anderem auch die öffentlichen Verkehrsmittel. Die meisten S-Bahn und Zugverbindungen wurden gestrichen, auch die U-Bahn und Busverbindungen liefen in vielen Städten nur schleppend.

Auch viele junge Frauen gingen zu den Demos.
Auch viele junge Frauen gingen zu den Demos.(Foto: imago/ZUMA Press)

Die Bürgermeisterin von Barcelona, die frühere Hausbesetzungs-Aktivistin Ada Colau, sprach von einem "historischen Tag für die Frauen und die Demokratie". "Wir haben die Angst längst verloren und sagen basta!", sagte sie am Rande eines Marsches in der katalanischen Hauptstadt.

Auch zahlreiche Männer nahmen an den Kundgebungen und Märschen teil. Frauenverbände hatten die Männer zwar um Unterstützung gebeten, aber betont, am Streik und an den Demos sollten im Prinzip nur Frauen teilnehmen.

Tausende protestierten auch in Istanbuls berühmter Shoppingmeile Istikal Caddesi.
Tausende protestierten auch in Istanbuls berühmter Shoppingmeile Istikal Caddesi.(Foto: REUTERS)

Zum Arbeitskampf hatten mehrere Gewerkschaften und Dutzende von Frauenverbänden und andere Organisationen aufgerufen. Die Spanierinnen kämpfen für mehr Frauenrechte und für die Gleichstellung von Mann und Frau sowie auch gegen sexuelle Belästigung und gegen häusliche Gewalt, die in dem Land weiterhin ein großes Thema ist. Wie auch in Deutschland und den meisten anderen Ländern werden Frauen in Spanien schlechter bezahlt als Männer in vergleichbarer beruflicher Position. Nach Angaben der Statistikbehörde INE erhalten Männer ein durchschnittliches Brutto-Jahreseinkommen von rund 26 000 Euro. Bei den Frauen sind es fast 6000 Euro weniger. Nach einer repräsentativen Umfrage der Zeitung "El País" und des Meinungsforschungsinstituts Metroscopia sind 82 Prozent aller Spanier der Überzeugung, dass der Frauenstreik gerechtfertigt ist.

Demonstranten tragen Hexenhüte in Istanbul

Größere Proteste gab es auch in Istanbul: Trotz des Ausnahmezustands in der Türkei gingen mehrere Tausend Menschen für Frauenrechte und gegen männliche Gewalt auf die Straße. Die Demonstration auf der Einkaufsmeile Istiklal Caddesi war der größte alternative Protestmarsch seit langem im Zentrum der Millionenmetropole.

Auch viele Frauen in Istanbul haben die Schauze voll von der Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen.
Auch viele Frauen in Istanbul haben die Schauze voll von der Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen.(Foto: REUTERS)

Die Polizei griff nicht ein, wie dpa-Reporter berichteten. Die Demonstration war - anders als die Gay Pride in Istanbul im vergangenen Sommer - nicht verboten worden. Unter die bunte Menschenmenge, die dem Regen trotzte, hatten sich auch Lesben, Schwule und Transsexuelle gemischt.

Teilnehmerinnen trugen lila Hexenhüte und Hexenbesen. Sie demonstrierten mit Sprüchen wie "Rapunzel, schneide deine Haare, soll der Kerl doch die Treppe hochlaufen" oder "Aschenputtel, geh nicht zum Ball, komm' du auch zum 8. März". Auf anderen Schildern stand "Staat, nimm deine Hände von meinem Körper" oder "Ich will keinen Prinzen auf einem weißen Pferd".

Regierungskritische Parolen blieben bei der Demonstration in Istanbul weitgehend aus, nur vereinzelt gab es Anspielungen auf Präsident Recep Tayyip Erdogan. Teilnehmerinnen skandierten etwa "Tayyip, lauf schnell weg, die Frauen kommen". Auf einem Transparent war zu lesen: "Wir wollen einen Vibrator, keinen Diktator".

In der westtürkischen Metropole Izmir versammelten sich mehrere Hundert Demonstranten zum Weltfrauentag. Dort blockierte die Polizei allerdings einen Protestmarsch, wie eine dpa-Reporterin berichtete. Zu Zusammenstößen kam es aber auch hier nicht.

Nach dem Putschversuch im Juli 2016 hatte Erdogan den Ausnahmezustand verhängt, der bis heute andauert. Im Ausnahmezustand sind Grundrechte wie das Recht auf Versammlungsfreiheit eingeschränkt.

Quelle: n-tv.de