Politik

Nach "Süßkartoffel"-Beitrag Ministerium prüft Anti-Rassismus-Projekt

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Die Bundeszentrale für politische Bildung ist beim Innenministerium angesiedelt und hat ihren Sitz in Bonn.

(Foto: picture alliance / Flashpic)

Bei Instagram veröffentlicht die Bundeszentrale für politische Bildung einen Post, in dem sie Menschen, die sich gegen Rassismus einsetzen, als "Süßkartoffeln" betiteln. Der Beitrag sorgt bei Usern für jede Menge Kritik. Nun hat sich das Innenministerium eingeschaltet.

Das Innenministerium hat einen Instagram-Post der Bundeszentrale für politische Bildung scharf kritisiert. Darin werden Menschen, die sich gegen Rassismus engagieren, als "Süßkartoffeln" bezeichnet. Der Anspruch des Projekts "Say My Name" und der damit Geförderten sei, sich für Werte wie Vielfalt, Respekt, Emanzipation, Recht und Gleichheit einzusetzen, sagte ein Sprecher des Ministeriums. "Der am 2.6. veröffentlichte Post auf Instagram zeigt, dass es dem Projekt selbst nicht gelingt, diesen Ansprüchen immer gerecht zu werden."

Das Ministerium habe die Behörde gebeten, das Projekt "Say My Name", das sich dem Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft widmet, auf den Prüfstand zu stellen, sagte der Sprecher. "Der entsprechende Post wird mit einem Kommentar versehen und klargestellt."

Die Bundeszentrale für politische Bildung ist beim Innenministerium angesiedelt und hat ihren Sitz in Bonn. In dem Beitrag auf Instagram geht es um das Buch "Der weiße Fleck. Eine Anleitung zum antirassistischen Denken" des Autors und Journalisten Mohamed Amjahid, in dem dieser den Begriff "Süßkartoffel" verwendet für Menschen, die Betroffenen rassistischer Diskriminierung zur Seite stehen. Das kann als Anspielung auf den teils abwertend verwendeten Begriff "Kartoffel" für Deutsche ohne erkennbaren Migrationshintergrund verstanden werden.

"Ally, Verbündete:r oder Süßkartoffel könnten nur jene werden, die sich mit ihren eigenen Privilegien auseinandersetzen und sich auch Kritik von Betroffenen zu Herzen nehmen", schreibt die Bundeszentrale auf Instagram. "Das ist ganz und gar nicht einfach. Diese Arbeit an uns selbst ist jedoch unabdingbar, wenn wir in einer gerechten und inklusiven Gesellschaft leben wollen."

Der Post wurde auf Instagram heftig diskutiert, Nutzer fühlten sich angegriffen. Der Sprecher des Innenministeriums sagte dazu: "Abwertende Äußerungen gegenüber Personen oder Personengruppen auf der Grundlage ihres Aussehens, ihrer Herkunft, ihrer Sprache, ihrer Religion oder Staatsangehörigkeit sind nicht hinnehmbar." Das sei auch für die politische Bildungsarbeit maßgeblich.

Es komme dabei nicht nur auf die Absicht des Senders einer Botschaft an, sondern auch darauf, wie sie ankomme. "Die wichtige Auseinandersetzung mit Rassismus darf nicht so geführt werden, dass andere Gruppen ausgegrenzt oder diskriminiert und herabgewürdigt werden. Für die Zukunft muss sichergestellt werden, dass Meinungsäußerungen zu aktuellen Fragen unseres gesellschaftlichen Miteinanders respektvoll und ohne abwertende Unter- oder Zwischentöne vorgetragen werden", betonte der Sprecher.

Quelle: ntv.de, hek/dpa

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