Politik

Wendung im Lübcke-Prozess Mitangeklagter wird aus U-Haft entlassen

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Markus H. und Stephan Ernst waren frühere Arbeitskollegen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Bundesanwaltschaft wirft Markus H. vor, den mutmaßlichen Mörder von Walter Lübcke, Stephan Ernst, ideologisch beeinflusst und damit Beihilfe geleistet zu haben. Dennoch veranlasst ein Gericht nun, den Mitangeklagten auf freien Fuß zu setzen.

Im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke wird der wegen Beihilfe angeklagte Markus H. aus der Untersuchungshaft entlassen. Es gebe keinen hinreichenden, dringenden Tatverdacht mehr gegen ihn, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt und folgte damit einem Antrag der beiden Verteidiger von Markus H.

Die Bundesanwaltschaft hatte H. in der Anklage vorgeworfen, den mutmaßlichen Haupttäter Stephan Ernst ideologisch beeinflusst und unter anderem so Beihilfe zu dem Mord geleistet zu haben. Sie geht von einem rechtsextremistischen Hintergrund für die Tat aus.

Der Deutsche Stephan Ernst hatte in unterschiedlichen Versionen gestanden, Lübcke erschossen zu haben. Laut seiner Aussage vor Gericht war H. bei der Tat im Juni vergangenen Jahres in Nordhessen anwesend. In einem vorherigen Geständnis während der Ermittlungen hatte er jedoch auch angegeben, der Schuss habe sich versehentlich gelöst, als H. die Waffe gehalten habe.

Familie Lübcke kann Haftentlassung kaum ertragen

Ernst und H. waren frühere Arbeitskollegen, die sich nach Angaben von Ernst angefreundet hatten. H. war demnach derjenige, der Ernst politisch beeinflusst habe, nachdem dieser sich vor Jahren aus der rechten Szene gelöst habe. Er habe ihn auch zu gemeinsamen Schießübungen im Wald mitgenommen, hatte Ernst in seinen Geständnissen angegeben. Bei der Durchsuchung der Wohnung von H. hatten die Ermittler nach dem Mord an Lübcke zahlreiche NS-Devotionalien gefunden. Auf der gelöschten Festplatte seines Computers entdeckten sie zahlreiche Texte mit rechtsextremen und antisemitischen Inhalten.

Die Familie des ermordeten Lübcke hat die Entlassung des im Prozess mitangeklagten Markus H. aus der Untersuchungshaft als "kaum zu ertragen" kritisiert. Ein Sprecher der Familie Lübcke erklärte, die Angehörigen seien fest davon überzeugt, dass die Tat von beiden Angeklagten gemeinschaftlich geplant und gemeinschaftlich verübt worden ist. "Es ist sehr bitter, dass der von den Anwälten der Angeklagten herbeigeführte 'Geständniswirrwarr' zu dieser Entscheidung beigetragen hat - sie widerspricht der Überzeugung der Familie diametral", erklärte der Sprecher.

Quelle: ntv.de, jki/dpa