Politik

Ost-Aleppo zur Hälfte eingenommen Moskau: Syrien hat Durchbruch erreicht

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Blick in eine Straße im von der syrischen Armee eingenommenen Ost-Teil der Stadt.

(Foto: REUTERS)

Damaskus und Moskau sind angesichts der militärischen Erfolge in Aleppo euphorisiert: Der Sieg in der Schlacht könnte den Wendepunkt im syrischen Bürgerkrieg bringen. In Berlin sieht man das anders.

Die syrische Armee hat nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums fast die Hälfte von Ost-Aleppo zurückerobert. In den vergangenen 24 Stunden sei ihr ein Durchbruch im Kampf um die Stadt gelungen, erklärte das Ministerium laut der Nachrichtenagentur Interfax. Mehr als 80.000 Zivilisten, die in den vergangenen Jahren von den Extremisten als menschliche Schutzschilde benutzt worden seien, hätten nun Zugang zu Lebensmitteln, Wasser und medizinischer Versorgung. Der Ostteil der Stadt wird von Rebellen und Extremisten kontrolliert. Sein Fall könnte zu einem Wendepunkt im Syrienkrieg werden.

Die Kämpfe hielten nach Angaben der Rebellen auch am Dienstag unvermindert an. In der Nacht gab es neue Luftangriffe, bei denen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 18 Menschen getötet wurden. Für die Zivilbevölkerung bedeutet die Schlacht immenses Leid. Wo es möglich ist, versuchen die Menschen, den Kämpfen zu entfliehen. Nach UN-Angaben wurden bereits bis zu 16.000 vertrieben. In Ost-Aleppo gebe es keine funktionierenden Krankenhäuser mehr, sagte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Stephen O'Brien. Die Reserven an Nahrungsmitteln seien weitgehend aufgebraucht.

Die Rebellen haben dennoch angekündigt, nicht aufgeben zu wollen. "Der Kampf geht weiter", sagte Usama Abu Seid, Berater der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA). Der Vormarsch des Regimes sei das Ergebnis von "massivem militärischem Druck" gegen Rebellen, die nur leichte Waffen besäßen. "Das bedeutet nicht, dass die Schlacht zu Ende ist."

"Die Welt betreibt eine niederträchtige Politik"

Abu Seid warf dem Westen vor, die belagerten Rebellen in Aleppo im Stich gelassen zu haben. Stattdessen unterstützten Deutschland und andere Länder die Kurdenmiliz YPG und damit auch das Regime, da beide in Aleppo gemeinsame Sache machten. "Die Welt betreibt eine niederträchtige Politik", sagte Abu Seid. "Sie ignoriert die Rolle Russlands und des Irans bei der Besatzung Syriens und gleichzeitig hindert sie uns daran, an Waffen zu kommen."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat indes die syrische und russische Regierung vor der Annahme gewarnt, mit der Einnahme Aleppos einen entscheidenden Sieg zu erringen. "Dieser Konflikt wird nicht zu Ende gehen - unabhängig davon was gegenwärtig in Ost-Aleppo militärisch passiert", sagte der Minister. Er verwies darauf, dass viele regionale Akteure "in diesen Konflikt investiert" hätten.

In dem 2011 ausgebrochenen Bürgerkrieg verfolgen die Türkei, der Iran sowie Saudi-Arabien unterschiedliche Interessen und unterstützen verschiedene Gruppen. Zudem bekämpft eine US-geführte Koalition islamistische Rebellen aus der Luft, während die russische Luftwaffe die Armee des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt.

Assad und seine Verbündeten Russland und Iran hätten die Zeit bis zur Amtsübernahme des neuen US-Präsidenten Donald Trump genutzt, um ihre militärische Lage zu verbessern, sagte Steinmeier. Trump hat angekündigt, eine andere Nahost-Politik als sein Vorgänger Barack Obama einzuschlagen. Noch sei unklar, welche Richtung die USA unter Trump nehmen würden, sagte der Außenminister.

Quelle: ntv.de, bdk/rts/dpa