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Militär-Kampfstoff aus Russland? Moskau bestreitet Nowitschok-Herstellung

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Soldaten tragen während der Ermittlungen in Salisbury spezielle Ausrüstung zum Schutz vor dem Nervengift.

(Foto: picture alliance / Andrew Matthe)

Russland bemüht sich, die britischen Vorwürfe einer Verwicklung in den Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Skripal zu entkräften. Die fraglichen Chemikalien könnten gar nicht aus Russland kommen, heißt es. Sie seien dort nie hergestellt worden.

Im Zusammenhang mit dem Giftanschlag auf den früheren russischen Geheimdienstmitarbeiter Sergej Skripal im englischen Salisbury hat Russland die Herstellung sogenannter Nowitschok-Kampfstoffe bestritten. "Es gab weder in der Sowjetunion noch in Russland Programme zur Entwicklung chemischer Kampfstoffe mit dem Namen Nowitschok", sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Riabkow der Nachrichtenagentur Interfax. Russland habe seine Forschungen im Bereich der Chemiewaffen nach Inkrafttreten der internationalen Chemiewaffen-Konvention 1997 eingestellt und inzwischen sein gesamtes Arsenal vernichtet.

Die britische Regierung geht davon aus, dass bei dem Mordanschlag ein militärischer Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. London und mehrere Verbündete werfen Russland vor, hinter dem Mordanschlag zu stecken. Die Rede ist vom ersten Kampfeinsatz einer solchen Chemiewaffe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Nach Angaben des russischen Chemikers Wil Mirsajanow waren die Nowitschok-Gifte während des Kalten Kriegs in einem staatlichen Forschungsinstitut in Moskau entwickelt worden. Der 83-Jährige, der 1995 in die USA auswanderte, gilt als einer der "Väter" dieser hochgiftigen Chemikalien.

Die britische Regierung legte aufgrund des Giftanschlags die bilateralen Beziehungen zu Moskau auf Eis und wies 23 russische Diplomaten aus. Moskau weist jegliche Verstrickung in das Attentat zurück und kündigte an, bald Vergeltungsmaßnahmen zu verhängen.

Der 66-jährige Skripal und seine 33-jährige Tochter Julia waren am 4. März in Salisbury südwestlich von London bewusstlos auf einer Parkbank aufgefunden worden. Sie befinden sich nach der Vergiftung weiterhin in lebensbedrohlichem Zustand.

Quelle: n-tv.de, mra/AFP

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