Politik

Vertrag trotz Ukraine-Krieg Moskau will erneut Flugabwehr an Türkei liefern

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Teile des russischen Flugabwehrsystems S-400 werden im August 2019 für den Transport nach Ankara verladen.

(Foto: picture alliance/AP Photo)

Russische Waffenlieferungen haben das Verhältnis zwischen den USA und der Türkei erheblich abgekühlt. Nun erinnert der Kreml an eine zweite vertraglich vereinbarte Lieferung seiner hochmodernen Flugabwehr S-400. In Ankara gibt man sich bei dem heiklen Thema zugeknöpft.

Russland geht trotz des Ukraine-Krieges weiter von einer zweiten Lieferung seiner hochmodernen Flugabwehr S-400 an das NATO-Mitglied Türkei aus. Der Vertrag sei unterschrieben, sagte der Leiter der russischen Behörde für Rüstungszusammenarbeit, Dmitri Schugajew, der Agentur Tass zufolge auf einer Waffenverkaufsschau bei Moskau. Die Übereinkunft sehe vor, dass ein Teil der Komponenten in der Türkei produziert werde. Aus Ankara kam eine ausweichende Stellungnahme. Es gebe keine neuen Entwicklungen bezüglich der Beschaffung des Raketenabwehrsystems S-400, hieß es von der Präsidentschaft der türkischen Verteidigungsindustrie. "Der Prozess wird gemäß der am ersten Tag getroffenen Vereinbarung fortgesetzt."

Gegen Kritik aus der NATO hatte die Türkei 2017 einen Vertrag mit Russland über den Kauf der S-400 geschlossen. Nach früheren Angaben sah schon der erste Vertrag die Lieferung von zwei Regimentern S-400 vor, und Russland lieferte 2019 auch schon das erste. Die Türkei testete die Waffe, stellte sie aber mit Blick auf US-Sanktionen nicht in Dienst. Das System kann anfliegende Flugzeuge und Raketen in einem Umkreis von 400 Kilometern bekämpfen.

Annäherung zwischen Washington und Ankara bei Waffenlieferungen?

Die Türkei pflegt gute Beziehungen zu Moskau und Kiew und hat seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine an mehreren Stellen zu vermitteln versucht. Die USA befürchteten, dass Russland durch das S-400-System Einblick in die Technik moderner amerikanischer Kampfflugzeuge bekommen könne. Über das empfindliche Radar des S-400-Waffensystems könne Moskau an Daten über die Tarnkappenfähigkeiten der F-35-Jets gelangen. Washington stoppte daher die Auslieferung von US-Kampfjets F-35 an die Türkei.

Um die türkische Blockade bei der NATO-Aufnahme Finnlands und Schwedens zu beenden, hatte es Ende Juni offiziell geheißen, die USA seien Ankara beim Thema Waffenlieferungen entgegengekommen. Weitere Details wurden jedoch nicht genannt. Ende vergangenen Jahres verkündete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, die USA hätten der Türkei Jets vom Typ F-16 statt F-35 angeboten. Nach Angaben aus dem türkischen Verteidigungsministerium hat Ankara 40 neue F-16 und 79 Upgrade-Kits für die bereits eingesetzten F-16-Jets gefordert. In Washington war ein möglicher Deal bisher aber politisch umstritten.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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