Politik

CSU: "Streckbetrieb nutzlos" Münchens OB will Isar 2 in Verlängerung schicken

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Isar 2 liegt etwa 80 Kilometer nordöstlich von München. Der Meiler soll zum Jahresende vom Netz gehen.

(Foto: IMAGO/Sven Simon)

Das Atomkraftwerk Isar 2 nordöstlich von München soll nach dem Willen des Oberbürgermeisters einige Monate später vom Netz gehen als geplant. CDU und CSU wollen sich mit dem Streckbetrieb nicht zufrieden geben, sie fordern die Anschaffung neuer Brennstäbe.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter plädiert angesichts der Energiekrise für eine längere Laufzeit des Atomkraftwerks Isar 2. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke habe ihn am Donnerstag aufgefordert, bei der Bundesregierung die gesetzlichen Voraussetzungen für einen sogenannten Streckbetrieb einzufordern, teilte der SPD-Politiker mit. Damit könnte der Meiler mit den bestehenden Brennelementen noch bis längstens Mitte kommenden Jahres weiterlaufen. Ein Betrieb darüber hinaus kommt für Reiter nicht in Frage.

Von Seiten der Union wurde der Vorschlag abgelehnt. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte bei einer Klausurtagung im oberfränkischen Kloster Banz, ein Streckbetrieb würde keine Vergrößerung der gewonnenen Strommenge bedeuten - und sei damit nutzlos.

CDU-Chef Friedrich Merz sagte im Kloster Banz, der Streckbetrieb mache nur dann Sinn, wenn die gewonnene Zeit dazu genutzt werde, über den Winter neue Brennelemente für eine verlängerte Laufzeit zu beschaffen. Frankreich gelinge es, Brennstäbe für mehr als 50 Kernkraftwerke zu besorgen. Die Frage sei, ob Deutschland dies für drei Anlagen gelänge. "Technisch geht es, juristisch ist es möglich, politisch muss es gewollt werden", sagte Merz. "Ob mit oder ohne Streckbetrieb ehrlich gesagt ist mir wurscht. Die Dinger müssen weiter laufen."

Lang: "Manöver der Union"

Grünen-Chefin Ricarda Lang bekräftige am Abend bei "RTL Direkt", sie halte eine Laufzeitverlängerung bei einer Gasmangellage für "nicht sinnvoll." Die Forderungen seien ein Manöver der Union und von Markus Söder, um von eigenen Versäumnissen in der Energiepolitik abzulenken. Gas werde nur zu 20 Prozent zur Stromerzeugung genutzt, zwei Drittel davon durch Kraftwärmekoppelung, und ein großer Teil für die Spitzenlast. Dafür seien AKW nicht geeignet. "Man könnte durch die Atomkraft ein Prozent des Gases ersetzen, auf der anderen Seite stehen große Haftungsrisiken, der Verzicht auf Sicherheit bei einer Hochrisiko-Technologie." Das stehe in keinem Verhältnis.

Isar 2 ist eines von drei noch in Betrieb befindlichen Atomkraftwerken in Deutschland. Zum Jahresende sollen sie vom Netz gehen. Derzeit wird heftig darüber debattiert, sie wegen der angespannten Energiesituation länger laufen zu lassen. Neben der Union macht sich auch die FDP dafür stark. Deren Koalitionspartner SPD und Grüne lehnen dies ab. Das Bundeswirtschaftsministerium will allerdings in einem weiteren Stresstest die Stromversorgung unter verschärften Bedingungen prüfen.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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