Politik

Festnahme in Berlin Mutmaßlicher Kontaktmann Amris gefasst

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Bei dem Anschlag am 19. Dezember wurden zwölf Menschen getötet.

(Foto: dpa)

Nach dem Anschlag von Berlin beschäftigt die Ermittler die Frage, ob der mutmaßliche Attentäter Komplizen hatte. Nun gibt es eine Festnahme. Es soll sich um einen Kontaktmann von Anis Amri handeln. Außerdem wird mehr über Amris Flucht bekannt.

Gut eine Woche nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt hat die Bundesanwaltschaft einen möglichen Kontaktmann des mutmaßlichen Attentäters Anis Amri vorläufig festnehmen lassen. Der Zugriff erfolgte in Berlin. Nach einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft handelt es sich um einen 40-jährigen Tunesier, der in der Hauptstadt lebt.

Amri habe in seinem Mobiltelefon dessen Rufnummer gespeichert gehabt. Die weiteren Ermittlungen deuteten darauf hin, dass der Mann in den Anschlag eingebunden gewesen sein könnte. Demnach durchsuchten Ermittler des Bundeskriminalamts auf Grundlage eines Beschlusses des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs Wohn- und Geschäftsräume des Mannes.

Inwieweit sich der Verdacht erhärten lasse, bleibe abzuwarten. Bis Donnerstag werde geprüft, ob ein Haftbefehl beantragt werde, hieß es von der Bundesanwaltschaft. Die Ermittler gehen davon aus, dass Amri bei dem Anschlag mit einem Lastwagen auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember zwölf Menschen getötet und knapp 50 Menschen verletzt hat. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich.

Bericht: Amri verschickte kurz vor Anschlag Nachrichten

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Laut italienischer Polizei ist hier Amri am 22. Dezember in Turin zu sehen.

(Foto: AP)

Das Portal "Focus Online" berichtete unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise, Amri habe noch zehn Minuten vor dem Anschlag über sein Handy Sprachnachrichten und Fotos verschickt. Demnach könnten neben dem festgenommenen Mann weitere Islamisten in Berlin und im Ruhrgebiet in die Attentatspläne eingeweiht gewesen sein.

In den teils längeren Sprachnachrichten sei von dem überfallenen polnischen Lastwagenfahrer nichts zu hören, hieß es weiter. Er sei zu diesem Zeitpunkt womöglich schon tot gewesen. Nach Auswertung aller GPS-Daten gingen die Ermittler dem Bericht zufolge davon aus, dass Amri mit dem Sattelschlepper den Breitscheidplatz dreimal umrundet habe.

Im Zuge der Ermittlungen zu möglichen Komplizen gab es zudem in Italien mehrere Hausdurchsuchungen. Sie hätten sich auf Kontakte bezogen, die der Tunesier während seiner Zeit im Gefängnis in Italien geknüpft hatte, meldete die Nachrichtenagentur Ansa am Mittwochabend. Nachdem Amri 2011 als Flüchtling in das Land gekommen war, hatte er dort mehrere Jahre hinter Gittern gesessen. Eine offizielle Bestätigung der Durchsuchungen gab es bislang nicht. Auch über mögliche Ergebnisse der Durchsuchungen wurde zunächst nichts bekannt.

Flucht führte offenbar über Niederlande

Auf seiner Flucht reiste Amri nach dem Anschlag offenbar auch durch die Niederlande. Der Tunesier sei in der Nacht zum 22. Dezember von der niederländischen Stadt Nimwegen mit einem Fernbus ins ostfranzösische Lyon gefahren, verlautete aus französischen Ermittlerkreisen. Nimwegen liegt nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen.

Wie Amri von Berlin aus dorthin gelangte, ist unklar. Ein Sprecher der niederländischen Staatsanwaltschaft bestätigte Ermittlungen grundsätzlich, wollte aber keine weiteren Angaben machen. Der Bus fuhr den französischen Ermittlern zufolge zum Bahnhof Lyon-Part-Dieu, wo Amri später von einer Überwachungskamera gefilmt wurde.

Amri in Turin gefilmt

Von Lyon aus fuhr der 24-Jährige mit dem Zug in die französische Alpenstadt Chambéry und dann nach Italien. Amri hielt sich dort unter anderem in Turin auf, das hat nun ein weiteres Bild aus einer Überwachungskamera bestätigt. Die italienische Polizei veröffentlichte ein Foto, auf dem Anis Amri in dem Bahnhof Porta Nuova am vergangenen Donnerstag um 22.14 Uhr von hinten zu sehen ist. Er ist alleine in der Bahnhofshalle unterwegs. 

Einige Stunden später wurde er auch von einer Überwachungskamera in Mailand auf genommen. Kurz darauf geriet Amri in Sesto San Giovanni nördlich der Stadt in eine Ausweiskontrolle. Bei einem Schusswechsel mit der Polizei wurde er in der Nacht zu Freitag getötet.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/AFP/rts