Politik

"Unsensibler" Scherz über Barron NBC-Autorin stolpert über Trump-Tweet

e05980fb16d03e0cbe5aca39105814a9.jpg

Kein Hausunterricht: Barron Trump wird im ersten Jahr der Präsidentschaft seines Vaters in New York zur Schule gehen.

(Foto: REUTERS)

Seit seiner Präsidentschaftskandidatur bietet Donald Trump den Machern der Comedyshow "Saturday Night Live" reichlich Stoff für Sticheleien. Doch ein Tweet über Trumps zehnjährigen Sohn geht für eine Mitarbeiterin nun ordentlich nach hinten los.

Für die Autoren der US-Comedyshow "Saturday Night Live" (SNL) ist Donald Trump ein dankbares Ziel: Nicht nur, dass der neue Präsident reichlich Angriffsfläche für Satiriker bietet - er ärgert sich zuweilen auch maßlos über die Witze, die auf seine Kosten gehen. Eine Parodie von Hollywoodstar Alec Baldwin brachte den 70-Jährigen im vergangenen Oktober derart in Rage, dass er seinem Ärger auf Twitter Luft machte. "Zeit, diese langweilige und unlustige Show einzumotten", motzte Trump. Baldwin und den Mitarbeitern der Show, die seit über 40 Jahren mit Sketchen zu Politik und Gesellschaft Quote macht, warf er vor, durch die Parodie die Wahl manipulieren zu wollen.

Seit seiner Inauguration am vergangenen Freitag hat die leidenschaftliche Fehde zwischen Trump und den "SNL"-Machern eine neue Dimension erreicht, die mit Humor nur noch am Rande zu tun hat: Ein Tweet der "SNL"-Autorin Katie Rich über den zehnjährigen Sohn des Präsidenten, Barron Trump, schlug in den sozialen Medien hohe Wellen. Rich hatte in Anspielung auf die diversen Schießereien an US-Schulen in den vergangenen Jahren getwittert, Barron werde wohl der erste Teenager in den Vereinigten Staaten sein, der während des Heimunterrichts Amok läuft. Die Mehrheit ihrer Follower konnte über den Gag jedoch nicht lachen. Über Rich braute sich ein veritabler Shitstorm zusammen.

Noch am gleichen Tag löschte die Autorin den Tweet und deaktivierte ihren Account - doch es war bereits zu spät. Der Gag auf Kosten von "America's First Child" hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Selbst Chelsea Clinton, die einen großen Teil ihrer Jugend im Weißen Haus verbracht hat, mischte sich ein. "Barron Trump verdient - wie jedes andere Kind auch - die Chance, Kind zu sein", schrieb die zweifache Mutter auf Twitter.

Clinton wurde 1993 ebenfalls Opfer der "SNL"-Gagschreiber. In einem Sketch hatte Darsteller Mike Myers über die damals Zwölfjährige gesagt, die "Pubertät sei sehr ungnädig" zu ihr gewesen. Aber womöglich werde aus ihr noch ein "Schnuckelchen". Später entschuldigte sich Myers in einem Brief für den Fauxpas. Noch weiter unter die Gürtellinie ging allerdings der Kommentar von Radio-Moderator Rush Limbaugh, der Clinton mit dem "White House Dog" - dem Hund der First Family - verglich.

"Ich bereue meine Wortwahl"

Ähnlich erging es nun Barron Trump. Bei der feierlichen Amtseinführung waren seine scheinbar unbeteiligte Miene und seine schlaffe Körperhaltung Anlass für einige Beobachter, ihm eine fehlende Zuneigung für seinen Vater zu unterstellen. Aber erst als sich Rich als Autorin der landesweit bekanntesten Comedyshow im Ton vergriff, gab es öffentlich Protest. "Diese Frau arbeitet für NBC", schrieb eine verärgerte Nutzerin zum Barron-Tweet. "Ich verstehe nicht, wie es in Ordnung sein kann, einen Zehnjährigen derart zu mobben. Und es ist noch nicht einmal lustig!"

Für Rich hat der Tweet offenbar auch berufliche Konsequenzen. Die "SNL"-Mitarbeiterin ist Berichten zufolge vom Sender suspendiert worden - für wie lange ist nicht bekannt. Bisher hat sich NBC nicht offiziell zur Personalie geäußert. Bereits am Montag hatte sich Rich aber via Twitter für den "unsensiblen Tweet" entschuldigt. "Ich bereue meine Handlungen und meine beleidigende Wortwahl. Das war unentschuldbar und es tut mir sehr leid."

Nichtsdestotrotz dürfte die Fehde zwischen Trump und Baldwin bald in eine neue Runde gehen. Am Montag kündigte der Sender an, dass der Schauspieler die kommende Sendung am 11. Februar präsentieren wird. Zuschauer dürfen sich also auf eine neue Parodie des US-Präsidenten freuen. Dabei könnte Trump die eigene Verhohnepipelung ganz einfach stoppen. Denn Baldwin hat bereits versprochen, damit aufzuhören - sofern Trump seine Steuererklärung veröffentlicht. Bis heute weigert sich der Präsident, dies zu tun.

Quelle: ntv.de, jug