Politik

"Extremste Gewalttaten" NRW stärkt Kampf gegen Kindesmissbrauch

Ein Schild weist auf das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen hin. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild

Das NRW-Landeskriminalamt will im Kampf gegen den Missbrauch von Kindern bundesweites Vorbild sein.

(Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild)

Nordrhein-Westfalen steht im Zentrum eines bundesweiten Pädophilen-Netzwerks. Die Behörden wollen jetzt mit noch mehr Personal und besserer Technik gegen die Täter vorgehen. Zuletzt hatten die Erfahrungen um den Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach gezeigt, wie schwierig die Arbeit der Ermittler ist.

Das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt rüstet im Kampf gegen Kindesmissbrauch massiv auf. "Hier im LKA haben wir bald ein Team zusammen, das nahezu 100 Personen stark ist. Wir hatten den Bereich ja zunächst von 12 auf 60 Personen aufgestockt. Und jetzt kommen noch mehr hinzu. Nicht nur die Zentrale Auswerte- und Sammelstelle für Kinderpornografie wird vergrößert, sondern auch die Bereiche, wo diejenigen sitzen, die Daten aufbereiten und IT-Lösungen weiterentwickeln, damit sie ausgewertet werden können", sagt der neue Leiter des LKA, Ingo Wünsch, der "Rheinischen Post". "Das sind deutliche Investitionen in Personal und Technik. Wir haben mehrere Millionen ausgegeben, um die Technik in kürzester Zeit auf den Stand zu bringen. Das ist bundesweit einzigartig", so Wünsch weiter.

Laut LKA-Chef gibt es eine enorme Steigerung von Verfahren wegen Missbrauchsabbildungen, also Fälle, bei denen Kinder sexuell missbraucht und dabei fotografiert wurden. Aktuell bearbeitet das LKA laut Wünsch 4500 Verfahren im Zusammenhang mit Kinderpornografie. Alleine in NRW stiegen die Zahlen von 2018 auf 2019 um zwei Drittel, bundesweit um mehr als 60 Prozent.

Auch im ersten Halbjahr 2020 setzt sich diese Entwicklung in Nordrhein-Westfalen fort. "Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern haben wir eine Steigerung von fast 16 Prozent. Das liegt auch daran, dass das Thema in der Öffentlichkeit wahrgenommen und deswegen vermehrt angezeigt wird. Wir sprechen hier von extremsten Missbrauchs- und Gewalttaten gegenüber Kindern", so Wünsch.

Wünsch: Ermittler bearbeiten riesige Datenmengen

Zuletzt hatte das Landgericht Mönchengladbach im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach zwei Männer wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und der Verbreitung von Kinderpornografie zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die Täter waren Teil eines bundesweit verzweigten Netzwerks von Pädophilen, die Kinder missbraucht und kinderpornografische Videos und Bilder untereinander ausgetauscht haben.

Nach Angaben der Ermittler sind inzwischen bundesweit mehr als 200 Tatverdächtige namentlich identifiziert. Die Beamten müssen zur Identifizierung der Tatverdächtigen laut Wünsch riesige Datenmengen sichten. "Wir sind aber immer noch in dem Prozess, die alten Berge an angehäuften Fällen zu bearbeiten. Es dauert noch, bis wir in die Echtzeit-Bearbeitung gehen können", so der neue Leiter des LKA.

Quelle: ntv.de, jhe/dpa