Politik

"Passiert öfter als man denkt"Nackt in der Sauna gefilmt - Politik will Gesetzeslücke schließen

26.01.2026, 18:33 Uhr
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Wer nackte Menschen in der Öffentlichkeit heimlich filmt, verstößt (noch) nicht gegen das Gesetz. (Foto: picture alliance / Zoonar)

Zwei Freundinnen entspannen in einer Leipziger Sauna, als sie bemerken, dass ein Mann sie mit seinem Handy filmt. Sie alarmieren die Polizei - und erfahren später, dass der Mann nichts Strafbares getan hat. Nun will die Politik diese Lücke im Strafrecht schließen.

Ihren Besuch in der Sauna haben sich die zwei Freundinnen Rebecca und Anne ganz anders vorgestellt. Anne - die mit diesem Pseudonym anonym bleiben möchte - erzählt im niedersächsischen Justizministerium: "Unser Saunatag letztes Jahr im Frühjahr sollte eigentlich ein Ersatz sein für einen ausgefallenen Urlaub zu zweit. Am Ende ist er aber leider in einem Desaster geendet."

Ein Mann habe sich in einer fast leeren Leipziger Sauna "maximal 50 Zentimeter entfernt" dicht neben sie und ihre Begleiterin gesetzt. Er habe sein Handy an eine Handtuchrolle angelehnt - und die beiden Frauen gefilmt. Als die zwei Freundinnen das bemerken, konfrontieren sie ihn damit, doch der Mann bestreitet das Filmen zunächst. Aus Sicht der Frauen machte das Verhalten des Mannes den Anschein, "dass er das auch nicht zum ersten Mal gemacht hat".

Die Frauen rufen die Polizei, vor deren Eintreffen zeigt der Mann ihnen sein Mobiltelefon. Darauf seien mehrere Aufnahmen nackter Frauen zu sehen gewesen. Die Polizei stellt das Handy daraufhin sicher. "Wir dachten in dem Moment, okay, das war jetzt extrem anstrengend und aufregend, aber wir haben hier gerade wenigstens diese eine Person aus dem Verkehr gezogen", sagt Anne.

Wenige Wochen später sei jedoch ein Schreiben der Staatsanwaltschaft eingetroffen, nach dem das Verhalten des Mannes zwar moralisch verwerflich, aber nicht strafbar gewesen sei. Der Mann erhielt sein Handy zurück - mitsamt aller Nacktaufnahmen. Das habe sich "wie ein Schlag ins Gesicht" angefühlt, sagt Anne.

"So etwas passiert viel öfter als man denkt"

Der Staat schütze damit den Täter und nicht die Würde der Betroffenen. Anne sagt: "Der kann jederzeit die Aufnahmen veröffentlichen, ins Netz stellen, verkaufen et cetera. Und hat damit die Macht über unsere Körper. Und das fühlt sich extrem ungerecht an."

Rebecca schildert, wie belastend die Situation gewesen sei. Menschen seien vor heimlichen Nacktaufnahmen rechtlich nicht konsequent geschützt. "Es ist eben ein schambehaftetes Thema und sollte eigentlich nicht für uns, sondern für die Täter unangenehm sein", sagt sie. Solche Vorfälle seien kein Einzelfall. "So etwas passiert viel öfter als man denkt, und wahrscheinlich auch oft, ohne dass man es mitbekommt."

Beide Frauen kritisieren zudem den Umgang am Ort des Vorfalls. Sie hätten sich vom Personal und von der Polizei alleingelassen gefühlt. Betroffene müssten in solchen Situationen ernst genommen werden, sagt Rebecca. Es brauche mehr Sensibilisierung und klare Abläufe.

Justizministerin kündigt neue Regeln an

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig will das Fotografieren und Filmen durch Voyeure in öffentlichen Saunen und Spas verbieten. Es gebe da durchaus "eine Schutzlücke", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag. Sie kündigte an, "zeitgemäße strafrechtliche Regeln gegen digitalen Voyeurismus zu schaffen".

Auch die niedersächsische Justizministerin Kathrin Wahlmann und ihr nordrhein-westfälischer Amtskollege Benjamin Limbach sehen in dem Fall eine Lücke im Strafrecht. Mit einer Initiative im Bundesrat wollen beide Länder erreichen, dass die Aufnahme sexuell motivierter Fotos und Videos in der Öffentlichkeit ohne Zustimmung auch dann strafbar wird, wenn diese nicht verbreitet werden.

Anne und Rebecca sind "froh, dass wir das Thema jetzt in die Hände der Politik übergeben können". Die beiden Freundinnen wünschen sich neben dem rechtlichen Schutz für die Betroffenen vor allem "mehr Solidarität und Empathie".

Quelle: ntv.de, uzh/dpa

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