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Streit in SPD um Große Koalition Nahles wirft Juso-Chef Falschinformation vor

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Andrea Nahles geht davon aus, dass ein Drittel der SPD-Delegierten noch unentschlossen ist.

(Foto: dpa)

Kurz vor der Entscheidung über eine Große Koalition wird der Ton in der SPD schärfer. Fraktionschefin Nahles wirft Juso-Chef Kühnert die Verbreitung falscher Informationen vor - und warnt ihre Partei in punkto Nachbesserung der Sondierungsergebnisse vor "Illusionen".

Drei Tage vor dem richtungsweisenden SPD-Parteitag in Bonn spitzt sich der innerparteiliche Streit über die mögliche Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union zu. Fraktionschefin Andrea Nahles warf den GroKo-Gegnern in der Partei vor, es mit den Fakten nicht so genau zu nehmen. "Was der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert in Sachsen-Anhalt zum Thema Rente gesagt hat, ist schlichtweg falsch", sagte Nahles den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Kühnert hatte in einer Rede die Solidarrente als Beispiel für ein Thema aufgeführt, das bereits im Koalitionsvertrag von 2013 gestanden habe, aber nicht umgesetzt worden sei. Zudem hielt Kühnert das Versprechen von Union und SPD, das Rentenniveau bis 2025 auf dem jetzigen Stand zu halten, für hinfällig - weil es sowieso erst 2024 unter die aktuellen 48 Prozent rutschen würde. Auf welche Aussage sich Nahles bezieht, ist unklar. Die Jungsozialisten machen massiv Stimmung gegen eine Neuauflage des Regierungsbündnisses mit der Union. Kühnert will im Berliner Willy-Brandt-Haus für "#NoGroKo" werben.

Parteivotum am Sonntag

Am Sonntag stimmen auf einem Parteitag in Bonn 600 Delegierte und der SPD-Vorstand darüber ab, ob es Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU geben soll. Kritiker aus den Reihen der SPD beurteilen die Sondierungsergebnisse von Union und SPD als unzureichend und wünschen sich "Nachbesserungen", etwa bei der Steuerpolitik oder beim Gesundheitssystem. Viele haben aber auch prinzipielle Bedenken gegen eine erneute große Koalition.

Nahles rief ihre Partei dazu auf, nicht mit falschen Hoffnungen in mögliche Koalitionsverhandlungen mit der Union zu gehen. Sie warne "vor Illusionen", sagte Nahles den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Trotzdem werde es harte Koalitionsverhandlungen geben. Die Fraktionsvorsitzende gab die Einschätzung ab, ein Drittel der Delegierten sei noch unentschlossen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits größere Nachverhandlungen ausgeschlossen. Die Union habe bereits "herbe Konzessionen" gemacht, sagte die CDU-Vorsitzende mit Blick auf entsprechende Wünsche in der SPD. Am Mittwochabend empfahl die Spitze der saarländischen SPD die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union im Bund. Mit 18 zu 1 Stimmen fiel das Votum im Landesvorstand deutlich aus, wie der Landesvorsitzende, der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas, via Twitter mitteilte. Die saarländische SPD stellt 24 der 600 Delegierten auf dem SPD-Parteitag in Bonn. Aus den Landesverbänden hatte es zuletzt unterschiedliche Voten dafür und dagegen gegeben.

GroKo-Pläne würde Steuer- und Beitragszahler entlasten

Aus dem SPD-Wirtschaftsforum kamen scharfe Warnungen vor einem Scheitern der GroKo-Pläne. Harald Christ, Präsidiumsmitglied des Forums auf Bundesebene, sagte der "Mainzer Allgemeinen Zeitung": "Es wäre verheerend, wenn der SPD-Parteitag am Sonntag Verhandlungen über eine GroKo ablehnen würde." Unerlässlich sei jetzt die Bildung einer stabilen Regierung. Die aktuellen Sondierungsergebnisse seien für die SPD sehr zufriedenstellend. 

Auch ehemalige Parteigrößen empfahlen den Delegierten, für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union zu stimmen. "Es spricht mehr dafür, in Koalitionsverhandlungen einzutreten als Nein zu sagen", sagte der frühere SPD-Vorsitzende Kurt Beck der "Saarbrücker Zeitung". Ähnlich äußerte sich Erhard Eppler, über Jahrzehnte Vertreter des linken Flügels der SPD. "Wenn ich, immerhin seit 62 Jahren Mitglied der Partei, gefragt werde, ist die Antwort: Ich bin für das Ja", schreibt der 91-Jährige in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung". Dagegen legte der CDU-Wirtschaftsrat der SPD den Rückzug in die Opposition nahe. "Es ist besser, die SPD regelt ihr Führungsproblem in der Opposition und regeneriert sich dort", sagte der Vorsitzende Wolfgang Steiger der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Derweil ergaben Berechnungen eines Finanzexperten, dass die Pläne von SPD und Union für eine neue Große Koalition Steuer- und Beitragszahler spürbar entlasten würden. "Sowohl Geringverdiener als auch mittlere Einkommen und gut bezahlte Facharbeiter profitieren", sagte der Finanzwissenschaftler Frank Hechtner dem "Handelsblatt". Nach seinen Berechnungen hätte ein Geringverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern und jeweils 1000 Euro Monatsverdienst 1096 Euro mehr im Jahr in der Tasche. Für Spitzenverdiener lägen die Entlastungen teils bei über 3000 Euro im Jahr.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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