Zum Hamas-Angriff am 7. OktoberNetanjahus Ehefrau verbreitet wilde Verschwörungstheorie

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu muss bei den anstehenden Wahlen in seinem Land um die Mehrheit bangen. Seine Ehefrau versucht nun einen Konkurrenten mit einer unbelegten These zum Hamas-Terrorangriff am 7. Oktober zu diffamieren.
Knapp zwei Monate vor einer richtungsweisenden Parlamentswahl in Israel hat die Ehefrau von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit einem Interview für Wirbel gesorgt. Sara Netanjahu deutete in einem Gespräch mit dem Sender C14 an, dass der linksliberale Oppositionspolitiker Jair Golan, der als Held des 7. Oktober 2023 gefeiert wird, weil er damals viele junge Menschen aus dem Kampfgebiet gerettet hatte, vorzeitige Informationen zu dem Hamas-Massaker gehabt haben könnte. Ihr Mann habe dagegen an dem frühen Morgen noch nicht von den Vorfällen gewusst, sagte sie. C14 ist Sprachrohr Netanjahus und der extremen Rechten in Israel.
"Wenn du ein so hochrangiger Militär bist, der behauptet, dass du kämpfst, dass du am 7. Oktober schon am frühen Morgen dort warst, schon angezogen und bereit, zu einer sehr, sehr frühen Stunde, als andere noch nichts wussten, unter anderem der Regierungschef", sagte Sara Netanjahu unter anderem am Montagabend. Und fügte in ironischem Tonfall hinzu: "Und überhaupt, wer ist der Ministerpräsident, der wissen muss, dass ein Krieg ausbricht?"
Israelische Medien legten dies als Unterstützung für Konspirationstheorien aus, denen zufolge Mitglieder der Armee angeblich von den Überfallplänen der islamistischen Terrororganisation Hamas gewusst, Netanjahu aber nicht informiert haben sollen. Netanjahu weigert sich bis heute, die politische Verantwortung für die Vorfälle am 7. Oktober zu übernehmen, bei denen rund 1200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 weitere in den Gazastreifen verschleppt worden waren. Diese legten erhebliche Mängel bei der israelischen Sicherheitsstruktur rund um den Gazastreifen offen.
Golan kritisiert "wilde Hetze"
Der Oppositionspolitiker Jair Golan sprach nach dem Interview von Sara Netanjahu von "wilder Hetze" gegen seine Person und kündigte im Armeesender eine Klage gegen die Frau des Ministerpräsidenten an. Auch Netanjahus Hauptrivale bei der Wahl am 27. Oktober, Ex-Militärchef Gadi Eisenkot, verurteilte die Äußerungen von Sara Netanjahu als "verrückte Konspirationstheorie des Verrats, die keinerlei Faktenbasis hat".
Der Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 hatte um 6.29 Uhr Ortszeit begonnen. Golan hatte in Interviews gesagt, er habe gegen 8 Uhr oder etwas später seine alte Uniform angezogen, um sich in Richtung Süden zu begeben und dort zu kämpfen.
Laut Meinungsumfragen können bei der Wahl am 27. Oktober weder Netanjahus Lager noch das seiner Gegner mit einer absoluten Mehrheit rechnen. Golan hatte zuletzt gewarnt, Netanjahu könnte eine Sicherheitskrise herbeiführen, um die Wahl zu verzögern oder zu stören. Der rechtskonservative Regierungschef kenne keine rote Linie, wenn es darum gehe, nationale Sicherheit für politische oder persönliche Zwecke zu benutzen, sagte Golan nach Angaben des Nachrichtenportals ynet.
Golans Einsatz am 7. Oktober galt als einer der Lichtblicke inmitten vieler Berichte über Gräueltaten der Hamas. Ein israelischer Journalist beschrieb etwa, wie der ehemalige Vize-Generalstabschef ohne zu zögern dabei half, das Leben seines Sohnes während der Attacke von Terroristen auf das Nova-Musikfestival zu retten.
"Ich habe Jair Golan angerufen und ihn um Hilfe gebeten", beschrieb der Journalist Nir Gontarz die bangen Stunden, in denen sein Sohn sich in Lebensgefahr vor den Terroristen verstecken musste. Golan, den er vorher nicht persönlich kannte, habe nach dem genauen Standort seines Sohnes gefragt und sofort gesagt: "Ich hole ihn dir." Wenig später sei der Retter mit seinem Sohn im Auto aus der Gefahrenzone gekommen, habe ihn abgesetzt und sei direkt zurückgefahren, um weitere junge Menschen in Sicherheit zu bringen.