Gespräche schon kommende WocheNetanjahu kündigt direkte Verhandlungen mit Libanon an

Israel weitet seine Attacken auf den Libanon deutlich aus. Man werde angreifen, bis die Sicherheit Israels "vollständig wiederhergestellt" sei, betont Premier Netanjahu. Kurz darauf kündigt sein Büro allerdings auch Gespräche mit dem verfeindeten Land an.
Israel plant offiziellen Angaben zufolge, direkte Verhandlungen über friedliche Beziehungen mit dem verfeindeten Libanon aufzunehmen. Nach den wiederholten Bitten des Nachbarlandes habe der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Mittwoch das Kabinett angewiesen, die Gespräche "so bald wie möglich" zu beginnen, hieß es in einer Mitteilung seines Büros. Die Verhandlungen sollen sich demnach auf die Entwaffnung der Hisbollah und die Aufnahme friedlicher Beziehungen zwischen Israel und dem Libanon konzentrieren. Libanons Präsident Joseph Aoun hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach die Bereitschaft zu Verhandlungen mit Israel signalisiert.
Die Verhandlungen sollen israelischen Medien zufolge bereits nächste Woche beginnen. Wie die israelische Nachrichtenseite "ynet" unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person berichtete, sollen die Gespräche dann in Washington stattfinden. Demnach sollen zunächst die US-Botschafter der beiden verfeindeten Länder daran teilnehmen.
Kurz zuvor hatte Netanjahu weitere Angriffe auf Ziele der pro-iranischen Hisbollah-Miliz angekündigt. Es werde weitere Angriffe geben, "wo immer" das "nötig" sei, bis die Sicherheit für Bewohner im Norden Israels "vollständig wiederhergestellt" sei, so der Premier auf X.
Israel hatte trotz der Feuerpause im Iran-Krieg am Mittwoch eigenen Angaben zufolge zahlreiche Hisbollah-Ziele im Libanon bombardiert, darunter auch in der Hauptstadt Beirut. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden dabei 303 Menschen getötet.
Vertriebene sollen erneut flüchten
Zudem markierte das israelische Militär jüngst weitere Teile der libanesischen Hauptstadt Beirut als mögliche Angriffsfläche. Bewohner der südlichen Vororte sowie zum ersten Mal auch des gesamten Stadtteils Dschnah wurden zur sofortigen Flucht aufgerufen, wie es in einem Post eines israelischen Armeesprechers in arabischer Sprache hieß. In Dschnah sind viele Vertriebene aus den Vororten untergekommen. Bewohner der Vororte wurden bereits seit Beginn des Krieges Anfang März von Israel zur Evakuierung aufgerufen. Am Rande von Dschnah liegt auch das größte Stadion des Landes. Dort haben die Behörden mit der Hilfe von Hilfsorganisationen im Zuge des Krieges eine Notunterkunft für Geflüchtete eingerichtet.
Augenzeugen berichteten, dass einige von ihnen nach dem Fluchtaufruf das Stadion aus Angst verlassen hätten. Im gesamten Stadtteil sei Panik ausgebrochen. "Menschen schrien auf den Straßen", sagte eine Anwohnerin. Israels Armee kündigte an, in den betroffenen Gebieten gegen militärische Infrastrukturen der Hisbollah vorgehen zu wollen. Auch die Hisbollah reklamierte erneut mehrere Angriffe auf Israel und auf israelische Stellungen im Südlibanon für sich. Im Norden Israels gab es wegen des Beschusses der Hisbollah-Miliz am Nachmittag erneut Raketenalarm.
Nach Ansicht Israels und der USA erstreckt sich die mit Teheran ausgehandelte und in der Nacht zu Mittwoch (MESZ) verkündete zweiwöchige Feuerpause im Iran-Krieg nicht auf den Libanon. Der Iran-Krieg hatte Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels auf die Islamische Republik begonnen. Anfang März weitete er sich auf den Libanon aus.
Botschafter: Iran steuert Hisbollah
Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, bezeichnete die Hisbollah derweil als iranisches Instrument und forderte Europa zu einer klareren Haltung auf. "Die Hisbollah wird aus Teheran gesteuert, bewaffnet und finanziert", sagte Prosor laut einer Mitteilung der israelischen Botschaft in Berlin. "Das Regime hält den Libanon faktisch in Geiselhaft, um seine Stellvertreterstruktur zu sichern."
Der Botschafter warf der libanesischen Regierung vor, ihre internationalen Verpflichtungen nicht erfüllt zu haben - insbesondere die UN-Resolution 1701 und die Entwaffnung der Hisbollah. Während von Deeskalation gesprochen werde, setze die Hisbollah ihre Angriffe auf israelische Zivilisten fort. "Diese Realität darf nicht ausgeblendet werden." Die UN-Resolution 1701 wurde vom Sicherheitsrat im August 2006 nach dem Libanonkrieg zwischen Israel und der Hisbollah verabschiedet. Sie fordert unter anderem die Entwaffnung aller bewaffneten Gruppen im Libanon und den Rückzug der Hisbollah nördlich des Litani-Flusses.
Mit Blick auf Europa mahnte Prosor: "Wer Israel unter Druck setzt, während Iran die Hisbollah weiter lenkt, handelt nicht neutral - sondern stärkt Teheran." Israel werde die Sicherheit seiner Bürger nicht delegieren.
Kanzler Friedrich Merz kritisierte hingegen die israelische Kriegsführung im Libanon. Man sehe die Lage in der gesamten Region mit großer Besorgnis, sagte der CDU-Politiker - aber mit besonderer Besorgnis die Lage im Süden des Libanon. "Die Härte, mit der Israel dort Krieg führt, könnte den Friedensprozess als Ganzes zum Scheitern bringen. Und das darf nicht geschehen", betonte Merz. "Deswegen habe ich gestern auch mit weiteren Staats- und Regierungschefs die israelische Regierung gebeten, ihre nochmals verschärften Angriffe zu beenden."